Peter Zadek hat uns gestern verlassen. Er war eine der innovativsten, erstaunlichsten Figuren der europäischen Szene. Er wurde in den zwanziger Jahren in Berlin geboren.

Er floh mit seinen jüdischen Eltern vor dem NS-Regime und floh nach Oxford. Dort hatte er wirklich Shakespeare, das Theater, die Kunst der Inszenierung entdeckt und irgendwie seine Rückkehr in ein endlich friedliches Deutschland vorbereitet.

Wieder zu Hause hatte er sich Ende der fünfziger Jahre als einer der kühnsten Regisseure seiner Zeit etabliert, also als die am meisten diskutierten. Doch Peter Zadek war nicht nur der Regisseur, der die Rolle des Hamlets einer Frau übernahm. Er kultivierte nicht die Kunst der Übertretung, wie andere die Kunst für die Kunst ein wenig vergeblich verehren.

Er war ein Forscher. Er liebte es, die Ränder zu besuchen, wo andere sich nicht immer trauen, neue Räume zu finden, um die großen Klassiker Shakespeare oder Tschekov zum Leben zu erwecken. Er hat es auch verstanden, das sogenannte Boulevard-Theater in jedem Fall zu erneuern, um sich von der Rhetorik und einem bestimmten Buchstaben zu befreien, der den Geist tötet.

Paris, 31. Juli 2009