Der Franz-Hessel-Preis 2011 für Thomas Melle (Sickster, Rowohlt, 2011) und Céline Minard (So long, Luise, Denoël, 2011) ist mit 10.000 € pro Autor dotiert und soll die Übersetzung des prämierten Werks in die andere Sprache fördern. Es wird von der Genshagen-Stiftung (Deutschland) und der Villa Gillet (Frankreich) vergeben.

Er wird von einer deutsch-französischen Jury verliehen und erneuert den literarischen und intellektuellen Dialog zwischen diesen beiden Ländern, indem er zeitgenössische Autoren auszeichnet, die im Nachbarland noch unbekannt sind und von Ausnahmen abgesehen noch nicht übersetzt werden. Es trägt den Namen des Schriftstellers und Übersetzers Franz Hessel (1880-1941), der durch sein Leben und Werk eine Rolle als Kulturvermittler zwischen den beiden Ländern spielte.

Der Franz-Hessel-Preis wird von der Delegation der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und dem französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation finanziert. Der deutsche Kulturminister Bernd Neumann und der französische Minister für Kultur und Kommunikation Frédéric Mitterrand überreichen den beiden Preisträgern am 8. Dezember in Paris den Franz-Hessel-Preis.

Die französische Jury: Nils C. Ahl (Journalist und Literaturkritiker), Francesca Isidori (Journalistin und Literaturkritikerin), Christine de Mazières (Generaldelegierte des Syndicat National de l'Edition), Augustin Trapenard (Journalist und Literaturkritiker) und Guy Walter (Direktor der Villa Gillet, Direktor der Subsistances).

Die deutsche Jury: Hatice Akyün (Journalist und Schriftsteller), Thorsten Dönges (Programmleiter beim Literarisches Colloquium Berlin), Hans-Peter Kunisch (Journalist und Schriftsteller), Petra Metz (Literaturkritiker) und Ulrike Vedder (Professor an der Humboldt-Universität Berlin).

Thomas Melle wurde 1975 in Bonn geboren und lebt in Berlin. Er studierte vergleichende Literatur und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er übersetzte William T. Vollmann, veröffentlichte mehrere Theaterstücke sowie die Erzählsammlung Raumforderung. In seinem ersten Roman Sickster (Rowohlt, 2011) erforscht er die Verrücktheit des heutigen Berlin und führt seinen Leser in ein Nachtleben, in dem Sex, Alkohol und Drogen die Hauptrolle spielen. In einem verdichteten und analytischen Stil zeichnet Sickster ein virtuoses und erschütterndes Porträt der Gegenwart.

Céline Minard wurde 1969 geboren und studierte Philosophie, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Als Autorin mehrerer Romane und Erzählungen war sie 2007 und 2008 in der Villa Medici und 2011 in der Villa Kujoyama zu Gast. Sein Roman Bastard Battle (Leo Scheer, 2008) erhielt die besondere Auszeichnung des Wepler-Preises - Fondation La Poste.

2011 veröffentlichte sie gemeinsam mit der plastischen Künstlerin Scomparo und So long, Luise (Denoël), Les Ales (Cambourakis) Das Testamentswerk einer alten Schriftstellerin, die ein letztes Mal die Spuren und Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischt.

Durchquert von Märchen, Western, Erinnerungen und Fantasy-Kreaturen in verschiedenen Graden öffnet sich dieses Testament mit einer Vielzahl von Galerien und Echokammern, die aus einem bereits gelebten, wieder ins Spiel gebrachten und im Schreiben reaktivierten Leben klingen.