Mit André Gintzburger verschwindet eine große Theaterpersönlichkeit, ein Entdecker von Talenten, Schriften und neuen Formen.

Als Autor und später Regisseur hatte er schon früh verstanden, dass Theater eine kraftvolle und lebendige Schrift ist. In seinem «Théâtre d'Hui» empfing er zu Beginn Patrice Chéreau, Antoine Vitez, André Cellier, Gabriel Garran, Sacha Pitoëff,... André Gintzburger liebte unter anderem Künstler und Autoren und wusste - besser als jeder andere - sie zu erkennen. Für sie war er ein hervorragender Begleiter.

«Gintz», wie ihn jeder freundlich nannte, war ein diskreter und bescheidener Mann, der seine Urteile immer wieder bekräftigte, aber immer wieder die Welt durchstreifte und das Theaterschaffen auf der französischen und europäischen Bühne ins Rampenlicht stellte. Als Freund des Living Theatre hatte er sich auch schon früh den erneuerten Formen des Zirkus und des Straßentheaters zugewandt.

Als Entdecker und Vorläufer war André Gintzburger auch einer der Väter der kulturellen Dezentralisierung, der insbesondere das große Potenzial der Kulturhäuser erkannte.

Mit Trauer gedenke ich heute dem Inspirator, der er war.