dAf 102
MOUTON Daniel
Mottes castrales en Provence
les origines de la fortification privée au Moyen Âge
Die Arbeit ist ein Bericht über knapp zwei Jahrzehnte Forschungen zu den ersten Phasen des Burgenbaus, als sich die Territorien, die
Das untersuchte Gebiet konzentriert sich auf das Herz der Provence (Abb. 1), namentlich die Departements Alpes-de-Haute-Provence und Bouches-du-Rhône. Das Landesinnere, fern von der Küste, war nie sehr dicht bevölkert, so dass zahlreiche historische Stätten gut erhalten sind. Sie befinden sich zumeist im Unterholz, was die Prospektion recht schwierig gestaltet. Einige Fundstätten konnten gesichtet werden, in zahlreichen anderen Fällen waren die Texte hilfreich, wenn sie ein Castrum erwähnen. Die Urkunden der Abteien Saint-Victor in Marseille und Cluny waren diesbezüglich sehr wertvoll. Auch die Toponymik leistet gute Dienste, doch sie ergibt eine große Bandbreite von Fundstätten. Diese kleinen Siedlungen tauchen nämlich durch unter so verschiedenen Toponymen wie motte, castelas, sowie weiteren Ableitungen von castel, roque, tour ja sogar puy (aus dem Lateinischen podium) auf. Es kommt vor, dass derselbe Ort zugleich als motte und als roque bezeichnet. Im Gegensatz dazu können die von castel abgeleiteten Wörter zwar sehr wohl zu Motten gehören, sich jedoch ebenfalls auf jüngere Schlösser, frühgeschichtliche Befestigungsanlagen, oder gar auf natürliche Steinhaufen beziehen. Zahlreiche Stätten sind noch unentdeckt, die Prospektionen werden fortgeführt.
Die Ausgrabungen in Niozelles (Departement Alpes-de-Haute-Provence), das in den Texten des frühen 11. Jahrhunderts als roca de Aldefred bezeichnet wird, erwiesen sich als sehr fundreich. Diese Motte erhob sich auf einer natürlichen Anhöhe, deren Spitze man für die Errichtung des ersten Bauwerks abgetragen hatte. In der Provence war diese Vorgehensweise gang und gäbe; man kennt hier bis heute nur einen einzigen vollständig künstlich errichteten Hügel. Um 970-980 wurde hier ein großes rechteckiges Haus aus lokalem, mit Lehm gebundenem Steinmauerwerk errichtet (Abb. 4, 5, 6 und Abb. C, D, Taf. im Anh.). Den einzigen Schutz bot der erhöhte Standort; das Haus wurde durch keine weitere Befestigungsanlage verteidigt. In einem kleinen Anbau in einer Ecke befand sich zweifellos eine Treppe. Die Bestätigung, dass das Haus ein Stockwerk besaß, wurde durch die Ausgrabungen an einem anderen Fundort, La Moutte in Valensole, geliefert. Das Haus von Niozelles verfügte über einen kleinen
Die Motte von Niozelles ist Teil eines Territoriums, in dem zwei weitere spätantike Siedlungszentren erkennbar sind, das eine befindet sich in der Nähe der Motte und das andere in der Umgebung des heute zerfallenen mittelalterlichen Schlosses. Es ist unmöglich zu bestimmen, ob eine frühe Siedlungsphase dieses Schlosses der Zeit entspricht, in der auch die Motte bewohnt war, oder ob es erst errichtet wurde, nachdem die Motte von ihren Bewohnern verlassen worden war.
Das Haus, Vorläufer der Verteidigungs-anlage auf dem Burghügel, hätte rein zufällig an dieser Stelle errichtet worden sein können, man hätte seine Errichtung den beispielsweise den Zufällen der Siedlungsdynamik vedanken können, und es müsste nicht unbedingt ein Zusammenhang mit der Motte bestehen. Dies entspricht jedoch nicht der Realität, denn bei der weiteren Untersuchung hat sich herausgestellt, dass dieser Konstruktionstyp auch auf anderen Motten in der Provence nachgewiesen wurde.
Diesem Teil folgt ein Corpus von über 30 Fundstätten, für die die Untersuchungen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede hinsichtlich der Organisation nachgewiesen haben. Darüber hinaus ermöglichten die Textstudien in einigen Fällen eine chronologische Betrachtungsweise. In morphologischer Hinsicht nutzt der überwiegende Teil der Motten das natürliche Relief. In über 70% der Fälle handelt es sich um Bergsporne, deren Zugang von einem mehrheitlich ungefähr 10 m breiten Graben versperrt war. Zu den Resten dieses Verteidigungselementes kommen gelegentlich die Spuren einer Ringmauer und, jedoch seltener, die Überreste eines, je nachdem rechteckigen oder quadratischen (Abb. 41, 42), in einem Fall (Abb. 96, 97) sogar runden Turms.
Die aus den Texten resultierende Chronologie und die Ausgrabungen zeigen, dass diese Anlagen in den letzten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts errichtet wurden. Manche Motten waren bis in das 14. Jahrhundert bewohnt, und haben zweifellos zahlreiche Umbauten erfahren. Gleichwohl ist dem neusten Kenntnisstand zufolge die letzte erbaute Motte die von Cadarache (Abb. 71); sie war nur kurz, zu Beginn des 13. Jahrhunderts, bewohnt.
Zwei weitere Motten sind außerordentlich interessant : La Moutte in Valensole (Abb. 48, 49) und La Moutte in Allemagne-en-Provence (Abb. 52, 53). In beiden Fällen ähneln die Gebäude dem Haus aus den Schichten der ersten Phase von Niozelles, bei dem es sich also nicht um einen Einzelfall handelt. Daraus kann man schließen, dass die Militarisierung der Territorien ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts schnell und dennoch progressiv vonstatten ging. Festungen im eigentlichen Sinn sind erst in einer zweiten Phase aufgetaucht, die jedoch bereits mit der Jahrtausendwende beginnt und hier und da bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts fortbesteht.
In einigen Fällen hat man Zusammenhänge zwischen der Gründung des Castrums und der Besiedlung des Territoriums beobachten können. Im unteren Tal der Durance sind zum Beispiel an die zehn Motten nur ungefähr 3500 m voneinander entfernt, was auf eine beachtliche Bevölkerungsdichte hinweist. Für Valensole lassen die Texte der Abtei von Cluny den Schluss zu, dass das Territorium von La Moutte Anfang des 11. Jahrhunderts 16 km2 umfasste. In Allemagne-en-Provence kommen zu der mittelalterlichen Burgstelle drei weitere Motten hinzu. Um die Jahrtausendwende sind Verlagerungen erkennbar, bei denen die Wehranlagen zerstört und andernorts neu errichtet wurden.
Die Forschungen werden weitergeführt und zeigen, dass die Anfänge der privaten Wehranlagen Teil einer bedeutenden Siedlungsbewegung sind.