dAf 93
RUAS Marie-Pierre
Productions agricoles, stockage et finage en Montagne Noire médiévale
Le grenier castral de Durfort (Tarn)
1 Der Berg von Durfort, der Fundplatz und der archäobotanische Forschungsansatz
Der Fundplatz von Castlar (
2 Der Pflanzenkorpus: vorläufige Ergebnisse und erste Feststellungen
Ein nach Taxa geordneter, detaillierter Kommentar erfasst die Mengenanalyse, biometrische Angaben, die Zusammenstellung der verschiedenen Typen von Pflanzenresten und deren räumliche Verteilung. Insgesamt 392 563 Überreste zeugen von der Präsenz von 26 angebauten oder gesammelten Kulturpflanzen sowie von 131 Wildpflanzenarten. Nach der Prüfung der Repräsentativität der Probenentnahme wurden die Kulturpflanzen entsprechend einem anthropologisch lesbaren Raster, das auf den Gebrauchsmerkmalen der nachgewiesenen Arten basiert, klassifiziert. Der abgebrannte Vorrat beinhaltet vornehmlich Getreide, Hülsenfrüchte und Trauben. Die Menge der Getreidereste lieferte eine große Anzahl von Druschresten, deren Verteilung auf die Beschaffenheit der Ablagerung verweist. Die Analyse lässt eine Unterscheidung von Vorratshaltung, Resten von Mahlzeiten, Behandlung und Säuberung sowie von vorhergehenden Kulturen zu. Die lange Liste der Wildpflanzen wurde nach den Grundlagen der Planzensoziologie und der einzelnen ökologischen Artzeigerwerte untersucht und geordnet. Ein Kommentar zeigt die Wohlbegründetheit der archäobotanischen Anwendung der beiden Zusammenstellungen auf. Sie erlauben Pflanzengemeinschaften nachzuweisen. Deren ökologischen Charakteristika bestimmen auch die Umweltbedingungen und die Ökosysteme, die von den Bewohnern des castrum genutzt wurden. Die räumliche Verteilung der Unkrautgesellschaften die mit den Pflanzenkulturen der Brandschicht in Verbindung stehen, wird mit der selben Genauigkeit analysiert wie es für die Kulturpflanzen der Fall ist. Signifikative Vergesellschaftungen manifestieren sich zwischen den Wildpflanzengruppen und bestimmten Getreidearten. Sie erlauben folglich eine Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Praktiken und der mittelalterlichen Gemarkung von Durfort, ein halbes Jahrhundert vor der endgültigen Wüstung des castrum.
3 Landwirtschaftliche Praktiken, Kulturzyklen und des Land von Durfort im XIV. Jahrhundert
Die lokale Herkunft der Wildpflanzen konnte festgestellt werden und damit einhergehend auch der Großteil der in den Speicher gebrachten Ernten. Die umweltspezifischen Informationen, die im ersten Kapitel dargelegt sind, und die ökologischen Fähigkeiten der nachgewiesenen Arten helfen, die Standorte der für das XIV. Jahrhundert möglichen Pflanzenkulturen in der Landschaft zu kartographieren. Die Ernten offenbaren Teile der Organisation von Ackerbau und Viehzucht, die verschiedene Getreidesorten, angepasst an die kontrastreichen Umweltbedingungen, verwendet. Die Elemente eines zusammenhängenden landwirtschaftlichen Systems enthüllen sich durch die Kombinationen der vorgeschlagenen Kulturzyklen. Sie haben eine vorgegebene Ordnung in der Landschaft und basieren auf einem Kalender der Aussaaten in einer abgestuften Polykultur, die auf einem System von Getreide und Viehmast beruht. Wintergetreide (Roggen, Einkorn, Weizen); ein Frühlingsgetreide (Hafer ?) und eine lange Periode von Brache, Wiese und Heide wechseln sich ab. Diese Organisation der Bewirtschaftung verbindet einen produktiven saltus, der eine mehrjährige Beweidung oder Heuwirtschaft der Wiesen nutzt und einen stufenweise bewirtschafteten ager zwischen der Ebene und den Höhen. Dieses System scheint in einer Wechselbeziehung mit einer Schaafzucht zu stehen, die für eine handwerkliche Stoffproduktion gebunden ist, die der Gemeinschaft ein Einkommen sichert. Verschiedene Schriftquellen aus den Bereichen Ethnographie, Ökologie, Ikonographie, Archäobotanik und Archäozoologie nähren und stützen diese Hypothesen
4 Vom Speicher auf den Tisch... vorratspraktiken und Hinweise zur Ernährung
Die Organisation der Vorratshaltung offenbart eine Gruppierung nach Arten. Die Untersuchung der Verkettung spezialisierter Arbeitsbereiche bei der Behandlung der Getreideernten und der pflanzlischen Zusammensetzung der Gemenge lassen auf die Qualität der Säuberung und Reinhaltung schließen. Die Vorratsweisen der einzelnen Arten werden untersucht: Form der Vorratshaltung, Verpackung, Unterteilung der Verschläge, Anordnung des Vorrats. Die so haltbar gemachten Lebensmittel spiegeln eine Ernährung mit einer umfangreichen Pflanzenpalette wider, die von den Vorteilen des Mittelgebirges mit seinen verschiedenen Kapazitäten und dem Handel mit dem Mittelmeerraum profitiert. Auch die ernährungsrelevanten Möglichkeiten der Wildflora, eingemengt in die verkohlten Ernten, werden kommentiert. Sie lassen eine Notwendigkeit des Sammelns als sozialer Akt erkennen. Die Präsenz bestimmter Arten, die für ihre toxischen Eigenschaften bekannt sind, lädt dazu ein die gesundheitliche Qualität des Lagerbestandes zu diskutieren. Der Nachweis von Weidewirtschaft erfordert, die Ernährung des Viehs zu besprechen, das von den interessanten Weidebedingungen dieser Gemarkung nutznießen. Vor dem Hintergrund der Schlussfolgerungen lässt sich das soziale Bild der Eigentümer entwerfen.