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dAf 89


CATTEDDU Isabelle (éd.)

Les habitats carolingiens de Montours et La Chapelle-Saint-Aubert (Ille-et-Vilaine)

1. Einleitung

lm Rahmen der Präventivgrabungen in Montours auf der Autobahnteilstrecke « Les Estuaires» (A84) zwischen Rennes und Avranches, sind in einer Ortschaft drei Wohnstätten des frühen Mittelalters ergraben worden. Ein vierter Fundplatz mit ähnlicher Problematik liegt weiter südlich in der Gemeinde La Chapelle-Saint-Aubert. Die hier dargestellten wissenschaftlichen Ergebnisse ergänzen die noch seltenen archäologischen Erkenntnisse über das Frühmittelalter im Departement Ille-et-Vilaine. Die Untersuchung dieser bäuerlichen Siedlungen aus karolingischer Zeit lässt erkennen, dass die Umwelt strukturiert und dynamisch geplant war, sie ist unter Mitwirkung eines Spezialistenteams für die Erforschung . der Paläoumwelt analysiert worden. So hat der torfreiche Talgrund, der die Fundplatze von einander trennt, zahlreiche wertvolle Informationen bezüglich der Entwicklung der Vegetation geliefert.

 

2. Montours / Le Teilleul

Dies ist der wichtigste Fundplatz. Er zeichnet sich dadurch aus, dass die Siedlung in rechteckigen, regelmäßigen und durch Passagen miteinander verbundenen Parzellen organisiert ist. Die Siedlung ist nach Nordosten hin erweitert worden. Die Umbauten und häufigen Umgestaltungen der Parzellen scheinen mit vorübergehenden Tätigkeitsänderungen in Verbindung zu stehen. Die freigelegten Strukturen zeugen von spezifischen Aktivitäten der bäuerlichen Siedlungen in karolingischer Zeit (Vorratsräume, Küchen, Schmieden) und von der Spezialisierung mancher Bereiche. Die Gebäude weisen unterschiedliche Konstruktionstechniken auf. Das Keramikmaterial, das hier in größeren Mengen ais auf den anderen Siedlungsplätzen gefunden wurde, muss wohl in die Zeit zwischen dem 8. und 10. Jh. eingeordnet werden. Die karpologischen Analysen bestätigen das übliche Spektrum an Kulturpflanzen des Frühmittelalter's, bei denen der Hafer an erster Stelle steht, gefolgt von Roggen, Weichweizen, Gerste und Flachs.

 

3. Die Feuchtzone von Louvaquint-Le Teilleul

Zwei Bäche, die in karolingischer und merowingischer Zeit durch eine mit Steinen aufgeschüttete Furt verbunden waren, fließen durch eine Talmulde, die die Fundstätten Louvaquint und Le Teilleul trennt. Auf dem rechten Ufer des Baches Le Teilleul trifft die Furt auf einen Weg, der zur Siedlungsstätte des gleichen Namens führt. Mehrere Installationen am Rande der Furt, darunter einige Holzelemente, und die Qualität ihrer Konstruktion zeugen von einer gut durchdachten Nutzung dieses torfreichen Talgrundes. Die ersten Pollenuntersuchungen ermöglichen es, die Entwicklung der Pflanzenwelt in diesem Sektor nachzuvollziehen.

 

4. Montours / Louvaquint

Die Fundstätte Louvaquint, von deren Besiedlung ein Netz von Gräben zeugt, ist von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart unregelmäßig besiedelt gewesen. Das Frühmittelalter ist durch Keramik aus Gräben belegt sowie durch einige Strukturen, die zu einer etwas weiter östlich gelegenen Siedlungsstätte gehört haben. Sie sind charakteristisch für das 7. und 8. Jh. Das Grabennetz des Frühmittelalters schließt sich problemlos an das in Le Teilleul entdeckte Netz an.

 

5. Montours / La Talvassais

Der Siedlungsplatz von La Talvassais wird im Norden und Osten von einem Hohlweg begrenzt und liegt ungefähr 800 m südlich von Louvaquint und 1 000 m von der Siedlung Le Teilleul mit der er teilweise zeitgleich zu sein scheint. Die Funktionen einiger Sektoren konnten zwar bestimmt werden (Vorhandensein einer Schmiede, von Öfen und Lagerstrukturen), jedoch konnte nur ein Teil eines möglicherweise bedeutenderen Fundplatzes erfasst werden. Innerhalb der von Graben begrenzten Parzellen sind die Siedlungsfunde je nach Fundzone mehr oder weniger verstreut. Die Feuerstellen lagen etwas abseits in einem weniger bebauten Sektor. lm südlichen Bereich der Fundstätte konzentrieren sich Gruben, aus denen wahrscheinlich Material zum Bauen und für die Bodengestaltung (Loess, Quarzsand) entnommen worden war.

 

6. La Chapelle-Saint-Aubert / La Chaîne

Auf der Fundstätte La Chaîne, auf dem Gebiet der Gemeinde La Chapelle-Saint- Aubert, liegt eine kleine, bäuerliche Siedlungsstätte aus karolingischer Zeit. Es wurde zwar nur wenig Material gefunden, dies war jedoch sehr einheitlich und seine Untersuchung weist auf eine eher kurze Siedlungsperiode. Die Strukturen waren schnell aufgefüllt worden und auf dem Gelände wurden weder Spuren von handwerklichen Tätigkeiten noch von Vorratsplatzen gefunden. Die wichtigsten Elemente der Besiedlung sind ein leicht gebautes Gebäude und einige Feuerstellen. Wie in Louvaquint gibt es auch hier Zeugen einer älteren Besiedlung, in diesem Falle gallorömische Strukturen im Norden des Fundplatzes.

 

7. Das archäologische Fundmaterial

In einer Region, in der man noch wenig über die Keramik des Frühmittelalters weiß, stellt dieses für die Konsumstätten typische Corpus trotz der kleinen Anzahl der Fragmente ein bedeutendes Potential dar. Das Material weist einige Gemeinsamkeiten mit den Produkten der umliegenden Töpferwerkstätten (Guipel und Trans) und mit der Keramik der Siedlungsplätze von Janzé und Tinténiac im Departement Ille-et-Vilaine auf, sowie mit manchen Fundstätten der Normandie, die in die Zeit zwischen dem 8. und 10. Jh. datiert werden.

 

8. Synthese

Die Verteilung der Strukturen, die Umgestaltungen oder die Aufgabe mancher Durchgänge und die Vergrößerung einiger Parzellen lassen die Entwicklung der ergrabenen Stätten ganz klar erkennen. So wohnt man in Le Teilleul einer Siedlungsentwicklung bei, bei der die Schaffung néuer Strukturen und die Vergrößerung von Parzellen der größten Ausdehnung des Ortes entsprechen. Die Flächenorganisation, die die Fundstätten von Le Teilleul und von Louvaquint durchgreifend strukturierte, ist noch heute erhalten. Parallel zur Untersuchung der dörflichen Siedlungen wurde der Erforschung der umliegenden Landschaft besondere Aufmerksamkeit Geschenkt : insbesondere ihren Aufeinanderfolgenden Gestaltungen (Parzellen und Wege) und den Spuren der landwirtschaftlichen und pastoralen Aktivitäten. In diesen Bereichen ergänzen die bio-archäologischen Ergebnisse die archäologischen Daten vorteilhaft.

 

Am Ende des Neolithikums oder zu Beginn des Bronzezeitalters beginnt sich in den Feuchtzonen Torf zu bilden. Während der Frühgeschichte hat die menschliche Besiedlung das Milieu bereits verändert, wie der Zustand des Waldes der Region und das Vorhandensein der ersten Pollen von ruderalen Graspflanzen beweist. Die . ersten Anzeichen eines diskreten Getreideanbaus tauchen jedoch nicht vor der Eisenzeit auf. Seit der Bronzezeit und bis Ende der gallorömischen Epoche wird der Wald (dichter Mischeichenwald) örtlich gerodet und die Lichtungen werden mit neuen Baumarten bepflanzt : Birke und Haselnussstrauch. Erlenwälder bedecken die Talgründe. Seit Ende der merowingischen Zeit scheint der Ort Louvaquint erneut bewohnt zu sein. Beim Bau der Furt und in der Foigezeit ist eine bedeutende Veränderung der natürlichen Umgebung zu beobachten. Das feuchte Unterholz des Talgrundes geht beträchtlich zurück : dies ist der Übergang von dichter Bewaldung zu offenem Niederwald. Der Eichenwald, den man wahrscheinlich auf der Hochebene vorgefunden hatte, wurde abgeholzt und Lichtungen geschaffen. In karolingischer Zeit hat der Ort seine größte Besiedlungsdichte erfahren. Auf diese Zeit intensiver landwirtschaftlicher Aktivität folgt dann ganz deutlich eine Zeit der Verwahrlosung. lm 10. Jh., ais der Ort entgültig verlassen wird, nehmen die feuchten Unterwälder im Talgrund wieder zu. Über die Verlagerung dieser Siedlung im Laufe des 10. Jh. geben weder Dokumente aus den Archiven noch archäologische Belege nahere Auskunft.

Die Pollendiagramme weisen auf die spätere (gegen das 16.-17. Jh. 7) Rückkehr zu einer echten Ackerbaulandschaft mit lokaler Ausbreitung der Eichen, die vielleicht mit einer zunehmenden Weidewirtschaft in Verbindung zu bringen ist.

Die Grabungen in Montours haben Elemente zu Tage gebracht, die einerseits auf- eine Siedlungsunterbrechung, andererseits aber auch wieder auf eine gewisse Kontinuität in diesem Sektor hinweisen. Diese Fakten werfen die Frage nach der Koexistenz der bäuerlichen Siedlungen auf. Obwohl die Fragen weiter bestehen, so stellen diese Ergebnisse doch einen bedeutenden Fortschritt in der Kenntnis der bäuerlichen Siedlungen im Frühmittelalter in der Bretagne dar, die bis heute noch wenig untersucht sind.

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