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dAf 83


CANTRELLE Sylvie, GOY Corinne et Claudine MUNIER

Histoire d'un quartier de Montbéliard (Doubs)

Le bourg Saint-Martin (XIIIe-XXe s.)

Montbéliard entsteht am Ende des 9. oder zu Beginn des 10. Jh., als auf einem Felsvorsprung in dieser Region zwischen der germanischen und der burgundischen Welt eine Burg errichtet wird. Im 11. und 12. Jh. entwickelt sich um den Felsen, über dem Tal des Allan und der Lizaine ein Burgdorf, Hauptort der Grafschaft. Die natürlichen Verteidigungselemente werden durch Wälle und Kanäle noch verstärkt. Am Ende des 12. Jh. und im 13. Jh. erfährt die Stadt als Handels- und schließlich religiöses Zentrum einen neuen Aufschwung und entwickelt sich in Form von mehreren Ortsteilen weiter. Am Anfang des 14. Jh. ist die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt abgeschlossen. Dem Burgviertel um den Felsen herum setzt sich die regelmäßiger gebaute, neue Stadt in der Ebene der Lizaine entgegen. Im 15. Jh. besteht der äußere Verteidigungsgürtel, der sich auf über 1 500 m erstreckt, aus der Aneinanderreihung der Wälle der drei ursprünglichen Ortsteile: Burgviertel, Bourg Saint-Martin und Bourg de la Halle. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entsteht nach und nach eine zweite Stadtmauer im Süden.

Der Bourg Saint-Martin, im Westen der Burg, ist im 13. Jh. entstanden. Das Velotte-Viertel bezeichnet den östlichen Teil des Bourg Saint Martin, beidseitig der Rue de Velotte.

1989 plant die Stadt Montbéliard im Velotte-Viertel den Bau eines Geschäfts- und Wohnkomplexes mit einer Tiefgarage. Die archäologische Abteilung der Stadt führt 1991 und 1992 Probegrabungen und eine räumlich begrenzte Grabung durch, die es ermöglicht haben, die archäologischen Überreste abzugrenzen. Diese Grabungen haben 1993-1994 zu einer Grabung größeren Ausmaßes von 3 000 m2 in der für die städtischen Bauten vorgesehenen Zone geführt. So hat die Archäologie einen Teil der Geschichte des Viertels an den Tag gebracht.

Im 13. Jahrhundert (Phase I), ist dieser untersuchte Teil des Viertels noch wenig bebaut und die Gebäude befinden sich am Rande eines Sumpfgebietes. Zu dieser Zeit folgte eine Nord-Süd orientierte Mauer aus großen Blöcken, die als die erste Stadtmauer angesehen wird einer Strasse. Im Westen dieser Bauten liegt ein großes, alleinstehendes Gebäude, das vielleicht öffentlichen Zwecken diente. Dieser Sektor des Bourg Saint Martin ist zu dieser Zeit stark ländlich geprägt und ist vielleicht bereits eines der Zentren des politischen Lebens der Stadt.

Am Ende des 13. und im 14. Jahrhundert (Phase II) erfährt dieses öffentliche Gebäude (A) bedeutende Veränderungen. Südlich von ihm wird ein weiterer Bau (B) errichtet, der mit mehreren Umbauphasen bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts fortbesteht. Ein drittes Wohnhaus (C) wird vor dem öffentlichen Gebäude (A) gebaut. In den letzten Jahren des 13. Jh. werden auf der anderen Straßenseite zwei parallele Palisaden errichtet.

In der ersten Hälfte des 15. Jh. (Phase III), wird die ursprüngliche Stadtmauer abgeglichen und der Straßenverlauf geändert. Eine neue, gemauerte Stadtbefestigung wird östlich von der vorhergehenden erbaut. Die Grenzen des Viertels werden auf diese Weise um 15 Meter weiter nach außen verlegt. Der gewonnene Raum wird aufgefüllt und drei neue Häuser werden gebaut. Von den Häusern D und E aus vergänglichen Materialien bleiben nur wenige Boden- und Mauerreste, die es nicht ermöglicht haben, ihren Plan in seiner Ganzheit zu erkennen. Vom dritten Haus (F) aus Stein kennen wir nur einen Raum längs der Stadtmauer. Der Bau B auf der anderen Straßenseite wird  in dieser Phase vergrößert.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts (Phase IV), wird mit 2 m Abstand, außerhalb der alten Stadtmauer, parallel eine neue Mauer errichtet, um die Verteidigungsmittel den Fortschritten der Artillerie anzupassen. In dieser Zeit ist das Haus B nicht mehr bewohnt.

Im 16. Jahrhundert (Phase V), wird das Haus D abgetragen, das Haus E wird neugebaut und das Haus F besteht weiter. Im Norden führt eine neue Gasse parallel zu der bereits bestehenden auf die Rue de Velotte. Diese drei Gassen begrenzen drei Häuserblocks zwischen der Rue de Velotte und der Stadtmauer: einen im Norden, einen im Süden und einen in der Mitte. Das Haus E, das ohne Neuorientierung wiedererbaut wird, nimmt praktisch den ganzen mittleren Block ein. Seine Fassade ist auf die Südgasse ausgerichtet. Über die andere Gasse ist das Haus E von hinten zu erreichen sowie das Haus G des nördlichen Blocks. Im Westen der Strasse, wird ein neuer Bau, der als Scheune interpretiert wird, errichtet, der weiterhin die gleiche Fläche in Anspruch nimmt wie das alte Haus B.

Am Ende des 16. Jahrhunderts (Phase V bis) ändert sich die Gestaltung des Viertels nur wenig. Das Haus F wird vergrößert und erstreckt sich nun mehr auf einen Teil der Südgasse, die dadurch ihre Rolle als Hauszugang verliert; jetzt erreicht man den Eingang über die Nordgasse. Im Westen der Rue de Velotte besteht nur die Mauer der Ost-Westparzelle weiter.

Der Beginn des 17. Jahrhunderts. (Phase V ter) wird durch zusammenhängende Reste im Westen der Rue de Velotte veranschaulicht, die eine Fläche von 56 m2 bedecken. Sie sind Teil eines großen Gebäudes, des „Schwabenhauses“, einem Modellbauernhof, den der württembergische Architekt Heinrich Schickhardt von 1592 bis 1602 auf Geheiß des Prinzen Friedrich von Württemberg gebaut hatte.

Auf die Organisation des dörflichen Typus der 14., 15. und 16. Jahrhunderte., der sich durch eine Abfolge von Häusern längs einer Strasse auszeichnet, die nach hinten auf Felder führen, folgen in der frühen Neuzeit (Phase VI), unbebaute Parzellen (Wiesen, Gärten, Obstgärten …). Die Verteidigungsanlagen bestehen weiter und haben vielleicht als Grundstücksgrenzen gedient.

In der späteren Neuzeit (Phase VII), wird der Bau des Collège Cuvier in den Jahren 1876-1878 im Westen der Rue de Velotte und einer Gendarmerie im Jahre 1889 im Osten dieser Strasse die alten archäologischen Schichten stören.

Die verschiedenen archäologischen Schichten haben nur wenig Material geliefert. Die Gebrauchsgegenstände sind zwar sehr unvollständig, werden aber durch wenige vereinzelte Funde illustriert, die allein durch ihre Existenz zu einem gegebenen Zeitpunkt von der Weise zeugen, wie gewisse materielle Realitäten von den Menschen damals gelebt wurden. So werden unsere Vorstellungen von den ausgegrabenen Häusern durch die architektonischen Elemente und Gegenstände der Inneneinrichtung ergänzt. Das Vorhandensein von Latrinen, die Benutzung von Ziegeln, Fensterscheiben oder Verzierungen bei den Hausbauten lassen, ebenso wie die Inneneinrichtungen, von denen Öfen und Beleuchtungen zeugen, auf eine gewisse Bequemlichkeit schließen. Bezüglich anderer Bereiche, wie der Ernährung und der Hygiene, von denen man sich dank der Reste von Küchengeräten und organischen Abfällen (pflanzlichen und tierischen Resten und Parasiten) eine Vorstellung machen kann, erlauben uns diese Funde, die Bewohner dieser Häusernäher kennen zu lernen. Sie geben uns Auskunft darüber, was sie aßen, in welcher Art von Behältnissen und wie sie kochten und sogar wie sie verdauten. Die Aktivitäten, die anhand der Werkzeuge und der pflanzlichen Abfälle erkannt wurden, deuten schließlich auf eine noch sehr bäuerliche Lebensweise der Bewohner innerhalb der Stadtmauern hin, selbst wenn auch einige soziale Aktivitäten, wie Tausch, Krieg oder Jagd, Spiel und Lesen Ausdruck fanden.

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