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dAf 82


ROMEUF Anne-Marie et Monique DUMONTET

Les ex-voto gallo-romains de Chamalières (Puy-de-Dôme)

Diese Veröffentlichung ist das Ergebnis einer Rettungsgrabung, die von 1968 bis 1971 an der Stelle der Mineralquelle “desRoches” in  Chamalières anlässlich des Baus eines Gebäudekomplexes durchgeführt worden ist.

Die entdeckten  Ex-voto stehen im Zusammenhang mit einem frommen Volksbrauch, der in der antiken Welt sehr verbreitet war und sich bis heute erhalten hat.


Kapitel 1: Das Grabungsfeld

Nach der Entdeckung einer im Schnitt sichtbaren Holzschicht in einem Entwässerungsgraben, haben zwei Grabungskampagnen von jeweils 3 und 5 Monaten zwischen 1968 und 1971 in aufeinanderfolgenden Abschnitten ermöglicht, die gesamte Fundstätte aufzudecken : die Ex-voto hatten sich in einem etwas über 200 m2 großen, von Quellen ausgehöhlten  Becken angesammelt. Sie lagerten unter einer Diatomitschicht in Mineralwasser und  waren von einer Torfhülle umgeben. Das Depot war im  19. Jh. durch mehrere Anlagen gestört worden.

Seine Abgrenzung, die im Norden und Nord-Osten erhalten war, bestand aus einer einfachen kleinen Steinaufschüttung. Das Fehlen eines Baus und  einer Quellfassung weist auf ein Quellheiligtum im Freien, das anhand der, bei den Ex-voto gefundenen Keramik und der Münzen  ins 1. Jh.n.Chr., in die Zeit zwischen Augustus und Nero datiert werden kann. Mit seinen 10 000 Stücken oder Fragmenten, die den Resten von an die 3500 Ex-voto entsprechen, ist dies das reichste Depot, das jemals in Gallien entdeckt wurde, Überrest einer bedeutenden Kultstätte in freier Natur.


Kapitel 2: Die kleinen Fundobjekte

Einige andere Opfergaben waren mit den Weihgaben aus Holz vermischt: eine Bleitafel mit der Nennung des Gottes Manopos (eine der längsten bekannten Inschriften in gallischer Sprache.  défixion en plomb, an die sechzig Münzen (13 gallische, 35 römische, davon 20 As von Nîmes mit dem Krokodil und der Palme), Keramik (vor allem bemalte Schalen mit geknickter Wand ), fünf Fibeln, kleine Gegenstände aus Metall, Stein, Glas, Ton und Korbgeflecht, sowie Reste von Früchten (Walnüsse, Haselnüsse, Kirschen, Pfirsiche, Weintraubenkerne).


          Anhang 1: Die Konservierung der Exvotos

Um auf Dauer konserviert zu werden, musste das Holz, das wir von Wasser vollgesaugt vorgefunden hatten, behandelt werden : nach Versuchen mit den Alaun- Alkohol- Äther- und Harzmethoden ist die Behandlung der schönsten Stücke in Clermont-Ferrand  durch Imprägnierung von Arigal C oder Lyofix, und dann in Grenoble durch Lyophilisierung nach Konsolidierung mit Polyethylenglykol durchgeführt worden.


Kapitel 3: Die Exvotos: Themen und Typen

Die meisten Weihgaben sind  Holzschnitzarbeiten mit anthropomorphen Formen :

– Ganze bekleidete Personen, auf einem Sockel stehend (mit Ausnahme eines Reiters, zweier sitzender Frauen, und drei eingewickelter Personen), oder rudimentäre  Statuetten ohne angedeutete Kleidung;

– Büsten und Köpfe, oft mit Schulteranfang und manchmal mit Andeutung des Halses, sowie drei Exemplare von übereinandergesetzten Köpfen;

– Körperunterteile mit Becken und Beinen, im Allgemeinen auf einem Sockel stehend;

– Arme, Hände, Beine und Füße als Silhouetten ausgeschnitten oder als Rundplastiken;

– Darstellungen von inneren Organen und Körperteilen (anatomische Tafeln, Busen, Augen).

Eine kleine Serie umfasst 15  Gegenstände aus der Tierwelt: Pferde, Pferdebeine und Rinderfüße. An die tausend dünne, rechteckige Täfelchen, die wohl bemalt oder beschriftet waren ergänzen das Depot.

Alle diese Themen sind ebenso in griechisch-römischer Zeit wie in moderner Zeit geläufig gewesen.

Die vorgenommenen Gegenüberstellungen zeigen, dass die Themen in Chamalières sehr weit gefächert waren, und dass der Anteil von Heilungsex-voto sehr groß war - vor allem von Beinen – und von kleinen Tafeln. Die Typen können vor allem nach den benutzten Holzarten unterschieden werden, was von der technischen und stilistischen Studie bestätigt wird.


          Anhang 2: Die Tracht und Haartracht

Die Männerkleidung bestand im allgemeinen aus einem einheimischen Umhang, viel seltener aus dem Umhang, der über einer Tunika  auf der Schulter zusammengeheftet war oder einer einfachen Tunika; es ist nur ein einziger Hut dargestellt. Die meisten Frauen trugen über ihrer langen Tunika einen Mantel, der auf verschiedene Weisen drapiert sein konnte, einige trugen eine Pelerine; Korsagen sind selten, manchmal bedeckte ein Schleier die Haare; auf demselben Oberkörper waren ein Halsreif und eine Fibel dargestellt. Einige lange Kleidungsstücke sind nicht identifizierbar ; bei dreien scheint es sich um Kinderkleidung zu handeln.

Die Köpfe der Männer sind meistens von regelmäßigen, symmetrischen Stäben bedeckt, seltener von glatten Haaren mit Pony, die im Nacken spitzzulaufend geschnitten waren.

Es stellt sich die Frage, ob es sich nicht um die gleiche Frisur handelt, die in zwei verschiedenen Stilen dargestellt war.

Die Frauen haben normalerweise langes Haar, das oft durch einen Mittelscheitel zweigeteilt ist, und das in einer oder mehreren Bahnen auf die Schultern fällt. Manchmal tragen die Frauen einen Kranz, ausnahmsweise eine Kappe.


          Anhang 3: Die Opfergaben

Ein Drittel der Personen sind mit Beigaben dargestellt: runden oder rechteckigen Gegenständen, Ähren, Tannenzapfen, Börsen, Weintrauben, einer Tasche und einem Vogel. Die Gegenstände sind der Reihenfolge mit abnehmender Häufigkeit aufgezählt. Ein Viertel der Arme tragen eine runde Opfergabe, zwei Arme tragen zwei davon.

Alle diese Attribute gehören zu den gängigen Symbolen der  griechisch-römischen Glaubenswelt und geben uns nicht mit Sicherheit Auskunft über die Natur der verehrten Gottheit.


Kapitel 4: Die Exvotos: Technik und Stil

Das Inventar der antiken Holzschnitzereien  zeigt, dass sie in Italien und Griechenland, sowie in Europa überhaupt sehr selten sind, obwohl die Texte uns über die verwandten Holzarten Auskunft geben, und obwohl die Werkzeuge in Grabungen gefunden oder auf Steindenkmälern dargestellt wurden.

In Chamalières sind die Skulpturen meistens aus Buche, viel seltener aus Eiche und ausnahmsweise aus anderen Holzarten ; die Tafeln, im allgemeinen aus Eiche, sind auch manchmal aus Esche oder Nadelholz.

Die Schnitzentechnik richtet nach den Holzarten, die typischste ist jedoch die, mit der normalerweise Buche gehandhabt wurde: die Rundhölzer wurden zuerst in Teile mit einer grob dreieckigen Schnittfläche gespalten und anschließend in Tropfenform geschnitten. Die Werkzeuge, die für das Ausarbeiten der groben Formen und Details benutzt wurden (Messer, Dechsel, Beitel, ... Kehlbeitel, Stichel) haben nur wenig Spuren hinterlassen, weil die Schnitzereien meistens poliert wurden. Einige, wenige Farbreste lassen vermuten, dass die Sammlung bemalt war.

In den Skulpturen kann man drei Stile unterscheiden, die den angewandten Holzarten entsprechen, die wiederum von der Existenz von drei Werkstätten vor Ort zeugen, oder von drei Schnitzergruppen in derselben Werkstatt.

Der am verbreitetste Stil ist der der Buchenstatuetten, den man als “Stil von Chamalières” bezeichnen kann. Seine Qualität ergibt sich aus der perfekten Übereinstimmung der Schnitztechnik und den einheimischen Stilisierungsprinzipien, die man ebenso in der Ausarbeitung des Kopfes wie im Aufbau des Körpers, der Anatomie und der Drapierung der Kleidung beobachten kann. Jedoch scheint dieser Kunststil auch von den italischen Ex-voto beeinflusst worden zu  sein, zumindest was die Oberkörper anbetrifft.

Die Eichenschnitzereien sind diejenigen, deren Stil die meisten Übereinstimmungen mit dem der anderen gallorömischen Weihgaben aus Holz aufweist, besonders mit denen des Seinequellgebietes. Sie sind vielfältiger als die aus Buche, sowohl in technischer Hinsicht wie auch in Bezug auf die Inspiration, je nach Wahl der griechisch-römischen oder keltischen Tendenzen

Die rudimentären  Arbeiten aus Holz minderer Qualität, die oft aus Ästen geschnitzt sind, entbehren im Gegensatz zu den Eichenschnitzereien jedes klassischen Elementes und sind oft weniger sorgfältig gearbeitet als die Buchenschnitzereien : auch wenn einige von ihnen als Relikt des ersten keltischen Kunstausdruckes angesehen werden können, so sind die meisten doch Billigprodukte religiöser Kunst.


Schlussfolgerung

Die Bedeutung des Depots von Chamalières beruht auf dem Reichtum der zutage gebrachten Ex-voto, ihrem außerordentlichen Erhaltungszustand, der Vielfalt der dargestellten Themen und Typen, der Qualität der Schnitzereien und schließlich auf dem Zeitpunkt zu Beginn unseres Zeitalters, zu dem sie unter die Erde kamen. Die Weihgabenordnen stehen in Zusammenhang mit einer Volksfrömmigkeit, die in der klassischen Welt alltäglich war und zeugen von den wechselseitigen Beziehungen zwischen den Heiligtümern Galliens.

In Chamalières unterlagen die Modelle einer Entwicklung, die sich mit der Technik der Holzschnitzerei wandelte und lokale und italische, stilistische Einflüsse verarbeitete.

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