ZUSAMMENFASSUNG

- retour

- sommaire

- résumé

- abstract

- réf. biblio

dAf 79


DUMASY Françoise

Le théâtre d'Argentomagus (Saint-Marcel, Indre)

Einleitung

Das Theater von Argentomagus, einer zweitrangigen Siedlung der Civitas der Bituriges Cubi gehört zu den Gebäuden, die A. Grenier als Theater-Amphitheater bezeichnete, und die von nun an Theater des gallo-römischen Typus genannt werden. Seit dem Erscheinen des Handbuches der gallo-römischen Archäologie Manuel d’archéologie gallo-romaine 1958, das den Zirkus- und Theaterbauten gewidmet war, hat sich die Problematik beträchtlich weiterentwickelt, und es ist klar geworden, daß die neu aufgeworfenen Fragen allein anhand stratigraphischer Grabungen beantwortet werden könnten. So hat der Vorschlag im Jahre 1981, die Ausgrabungen des Theaters mit der doppelten Perspektive einer wissenschaftlichen Veröffentlichung und einer Instandsetzung wiederaufzunehmen, großen Anklang gefunden. Die Grabungen sind mit der Absicht durchgeführt worden, die unterschiedlichen Phasen der Geschichte des Gebäudes nachzuvollziehen, aber auch einige Aspekte der Romanisierung in einer kleinen Stadt Zentralgalliens zu erfassen.


1 Forschungsgeschichte

Unter dem suggestiven Toponym «Le Virou» seit dem 16. Jh. erwähnt, ist das Theater als solches erst im 19. Jh. identifiziert worden. Bis in die 60-iger Jahre bleibt es unter Reben verborgen. 1966 veranlasst ein Immobilienprojekt G.-C. Picard, Direktor des Départements «Antiquités historiques du Centre» eine Probegrabung durchzuführen, um das archäologische Potential des Ortes zu erkunden. Das Gebäude stellt sich als gut erhalten heraus, und im Besonderen erscheint, daß man es mit zwei übereinander gebauten Theatern zu tun hat. Die Grabung zwischen 1966 und 1973 versucht deren Betriebsweise zu verstehen und legt zwei Drittel der Strukturen frei, die mit Zement restauriert werden. Nach der zweiten Grabungskampagne, von 1981 bis 1988, muß man die 95-iger Jahre abwarten, um die Restaurierung und Instandsetzung des Gebäudes zu erleben. In diesen Jahren werden  Prioritäten für die bestmögliche Konservierung der antiken Anlagen gesetzt, die es dem Publikum ermöglichen dieses komplexe Gebäude zu verstehen.


2 Die archäologischen Gegebenheiten

Das Theater liegt außerhalb der Stadt, 400 m vom monumentalen Zentrum entfernt. Es liegt an den Hängen der Creuse und wird von einem Heiligtum mit Fana überragt, das durch Luftaufnahmen nachgewiesen wurde. Obwohl die architektonischen und stratigraphischen Beobachtungen es ermöglicht haben, eine relative Chronologie zu erstellen, so ist es doch schwierig, genaue Daten für jede einzelne Phase vorzuschlagen, da das spärliche Material vor allem residualer Natur ist. Das erste Theater (Phase 1A) wird in der Mitte des 1. Jh. n.Chr. erbaut. In den 70-iger Jahren wird es vergrößert und gegen Ende des Jahrhunderts wesentlich verschönert (Phase 2). In der ersten Hälfte des 2. Jh. n.Chr. wird es regelmäßig unterhalten, um gegen 180 n.Chr. abgebrochen und sofort wieder durch einen Neubau ersetzt zu werden. Dieser wiederum schließt seine Tore endgültig in der ersten Hälfte des 4. Jh. Nach einer Zerfallphase. Gegen Ende des 4. Jh. wird er systematisch abgebaut und die Steinblöcke zersägt, wovon Münzen zeugen. Als Ruine wird das Theater im Mittelalter als Materialquelle genutzt, bevor es im 16. Jh. mit Wein bepflanzt wird.


3 Das erste Theater

In der Phase 1A besteht das Theater aus einem Gebäude, das mit 56,50 m Durchmesser, einfach an den Hang angelehnt ist. Es wird von einer Mauer in Hufeisenbogenform und einer gradlinigen Mauer begrenzt. Dies sind die einzigen Mauerwerke und man muß sich eine Cavea aus Holz vorstellen, zu der man über vier, an die Rundmauer angelehnten Treppen gelangte. Über die Orchestra wissen wir nichts, da die Zone A für den Bau des zweiten Theaters erneut aufgegraben worden ist. Sehr schnell vergrößert man durch Verdoppelung der Aussenmauer und Installierung vier weiterer Sitzreihen die Cavea, deren Durchmesser nun 64 m erreicht. Aber man gewinnt auch Plätze indem man die gradlinige Mauer abbricht, durch zwei strahlenförmige Mauern ersetzt und so zwei dreieckige Sektoren hinzufügt. Die letzte Veränderung besteht darin, die Holzbänke durch Steinbänke zu ersetzen und in der Rundmauer sechs strahlenförmige Passagen unter freiem Himmel zu öffnen. Wenn dieses erste Theater von Argentomagus von nun an das Publikum auch würdig empfangen kann, so besitzt es doch einen erstaunlichen Plan, der die unterschiedlichen Schwierigkeiten und aufeinanderfolgenden Verbesserungen widerspiegelt.


4 Das zweite Theater

Es ist verständlich, daß man es einige Jahrzehnte später vorgezogen hat das Theater entgegen der Gewohnheit abzubrechen, um es durch ein neues zu ersetzen, das größer (83,20 m Durchmesser) und besser durchdacht war (es war mit vier strahlenförmigen überwölbten Gängen ausgestattet) und dessen Zirkulation durch mehrere innere Gangsysteme organisiert war. Diese teure Entscheidung wird jedoch von Sparmaßnahmen begleitet, da die Blöcke der Sitzreihen des ersten Gebäudes in einer Cavea wiederverwandt werden, die sehr “zusammengebastelt” aussieht. Dieser Nachteil wird zweifellos durch eine Anzahl von Vorteilen aufgewogen : eine Tribüne für den, der Vorstellung vorsitzenden Priester, eine Ehrentribüne für die örtlichen Persönlichkeiten, ein Boden in der Orchestra, der die Unregelmäßigkeiten des Gesteins darunter verbarg  und schließlich eine Bühne, die bald vergrößert und mit einer Frons scaenae mit stuckierten, von einem Blättergesims gekrönten Pilastern verkleidet wurde. Dieses neue Theater ist das ganze 3. Jh. über und vielleicht bis Anfang des 4. Jh. in Gebrauch gewesen; bis man die Fabrica armorum omnium installiert hat. Damit beginnt für das Theater ein schleichender Tod. Es wechseln Phasen ab, in denen es bald verlassen da lag, bald als Steinbruch genutzt wurde bis es endgültig in Vergessenheit geriet und überdeckt wurde.


5 Von einem Theater zum anderen

In diesem Kapitel werden die Vergleiche zwischen den beiden Gebäuden ausgearbeitet, um die Verhaltensweisen der Gemeinschaft zu erforschen, die die beiden Theater in einem Intervall von einem Jahrhundert erbaut hat. Bei der Beobachtung der Verbesserung der Zirkulation im Inneren des Gebäudes oder der Fortschritte, die bezüglich der Unterbringung der Zuschauer realisiert worden waren, scheint die Hierarchisierung der Zugänge und der Bau einer Ehrentribüne für den Empfang der Persönlichkeiten der Stadt wesentlich gewesen zu sein. Man muß sich übrigens fragen, wer diese Notabeln waren, da sie keinem offiziellen Korpus entsprechen, es sei denn, es handelt sich um die Dekurionen des Hauptortes, die den Ludi scaenici beizuwohnen wünschten.

Es bietet sich auch an, anhand dieses Theaters, das Mitte des 1. Jh. erbaut wird und vielen Veränderungen unterliegt, einen Abriß der Geschichte des gallo-römischen Theaters vorzuschlagen. Die Hauptthemen, denen diese Studie gewidmet ist, sind die Mauer in Hufeisenbogenform und ihre Weiterentwicklungen, der Bau der Cavea auf Schuttauffüllungen, originelle Ausführungen in der Anordnung der Sitzreihen, die weniger hoch sind als es Vitruv empfiehlt, jedoch einer schwachen Hangneigung angepaßt sind und schließlich die Erfindung der gallo-römischen Bühne mit ihrer verkleinerten Spielfläche, die in der Orchestra errichtet ist, ihren beiden Türen in der, wie eine Frons scaenae dekorierten Hintermauer und ihrer unerläßlichen Hinterbühne.


Schlußfolgerung

Das Theater von Argentomagus gehört weder zu den größten der gallo-römischen Bauten dieser Art – sein Durchmesser vergrößert sich von 56,50 m auf 64 m und schließlich 83,20 m –, noch zu den monumentalsten – seine Sitzreihen bleiben schmaler und niedriger als die der anderen Theater –, weder zu denen mit dem reichsten Dekor – seine Frons scaenae besteht nur aus einer aufgetragenen Dekoration. Wahrscheinlich erscheint es heute eben wegen der Bescheidenheit seiner Ausmaße und Ausstattung, aber auch wegen seiner langen Geschichte und seiner häufigen Umbauten als einer der besten Repräsentanten der gallo-römischen Theaterarchitektur. Als typischer Vertreter dieser Gebäude, die in den kleinen Städten Galliens von der Mitte des 1. Jh. bis Ende des 2. Jh. gebaut worden waren, zeugt es von dem Erfindungsreichtum der Architekten, den Anstrengungen der Elite, ihren Lebensraum zu romanisieren und dem Gefallen des Publikums an Theatervorstellungen.

haut de page