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BOURGEOIS Luc
Le sanctuaire rural de Bennecourt (Yvelines).
Du temple celtique au temple gallo-romain
Kapitel 1 : Die Strukturen und ihre Chronologie
Die Grabungsstätte der Butte du Moulin à Vent in Bennecourt (Yvelines) ist von 1982 bis 1988 Objekt einer programmierten Ausgrabung gewesen. Die Entwicklung dieser Kultstätte vom Ende des 2 Jh.v.Chr. bis in das 4 Jh.n.Chr. konnte trotz der starken Abtragung eines Teils der Mauerreste aufgezeigt werden.
Abgesehen von drei Metallgegen-ständen, die in die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Eisenzeitalter (Hallstatt/Latene) datiert wurden, beginnt die Besiedlung des Ortes in der Latenezeit (C2/D1) mit einer kleinen, mit Gräben versehenen Einfriedung, die im Osten unterbrochen ist. In ihrem Zentrum befindet sich eine grosse Grube mit einem ausgeschachteten Zugang. In der zweiten Phase wird diese Struktur von einem von sechs Pfosten getragenen Gebäude überdacht (Phase Ia-d).
Der Graben, der mindestens einmal gereinigt worden ist, wird durch Mauerreste aufgefüllt, die aus Bereichen innerhalb und ausserhalb der Einfreidung stammen.
Die Stätte wird seit der Latene D2 Periode in der Einfriedung und in den direkt angrenzenden Bereichen teilweise neu besiedelt (Phase Ie).
Verbrennungsstrukturen scheinen die zentralen Feuerstellen der zwei Heiligtümer der augusteischen Zeit (Phase II) anzukündigen. Die beiden cellae werden unter Tiberius oder Claudius aus Stein wiederaufgebaut und von einem weiträumigen Peribolos umgeben (Phase III). In der ersten Hälfte des 2 Jh. werden an dem Bau wichtige Veränderungen vorgenommen (Phase IVa). Eine der beiden cellae wird durch den Bau eines Podiums und einer umlaufenden Galerie in ein fanum umgestaltet. Die zentrale Grube wird gereinigt und von einer Struktur, die an ein Triclinum erinnert, umgeben. Der Peribolos wird durch eine Galerie und einen Vorraum bereichert. In der letzten Bauphase wird im Zentrum der Kultstätte ein quadratischer Bau errichtet (Phase IVc).
Der langsame Verfall des Kultbaus von Bennecourt beginnt Ende des 3 Jh. (Phase V). Im fanum vervielfachen sich zuerst die parasitäre Strukturen, dann, gegen 350 verfallen das Dach und die Mauern. In der Zeit des Kaisers Valentinianus werden die Materialien systematisch zur Wiederverwertung abgebaut. Gelegentliche Münzdepots oder Depots von kleinen Wertgegenständen oder Schmuck gibt es aber auch weiterhin. Eine Münze aus der Zeit zwischen 383 und 387 ist das jüngste Zeugnis, das an diesem Ort gefunden wurde.
Kapitel 2 : Beschreibung des Mobiliars
Der Katalog, in dem über 1000 Gegenstände beschrieben werden, wird durch zusammenfassende Studien der antiken Fauna und Keramik vervollständigt. Das reiche Mobiliar der beiden Auffüllungen der Phase I besteht neben mindestens 161 Gefässen aus einigen Waffen und Werkzeugen, vier Serien kleiner gegossener Bronzemünzen Potinen, einem breitgefächerten Schmucksortiment (Perlen und Ringen, Armreifen und Fibeln) und einer aussergewöhnlichen kleinen Vogelfigur aus Kalkstein. An die 13000 Knochenreste wurden bestimmt. Schweine repräsentieren 65,8 % der Knochen, gefolgt von Ziegen (29,2 %) und einem kleinen Anteil an anderen gezüchteten oder wilden Säugetieren sowie Vögeln und Fischen. Ein einziger Menschenrest ist bezeugt. Die anatomischen Körperteile unterlagen einer strengen Auswahl (festgestellt wurde das Fehlen von Fussknochen, dagegen fand man viele Schweineköpfe). Alle diese Knochen waren, abgesehen von denen des Menschen und des Pferdes, Speisereste.
Das gallo-römische Mobiliar besteht im Besonderen aus mehreren hundert Münzen minderen Wertes, zahlreichen Schmuckelementen und einigen Kultgegenständen (kleinen Statuen und apotropäischen Gegenständen). Die Faunareste unterschieden bis in die spätrömische Zeit kaum von denen der keltischen Schichten. Dann zeichnet sich eine Entwicklung ab (Ansteigen der Vogelreste, zahlreiche Schweinefüsse).
Kapitel 3 : Synthese
Obwohl seine Dimensionen bescheiden sind, so weist das latenische Heiligtum von Bennecourt jedoch wichtige Analogien mit den anderen keltischen Kultstätten auf, die man seit zwei Jahrzehnten in Nordgallien erkannt hat. Für seinen organisierten Abbruch gibt es ebenfalls einige Parallelen.
Auch wenn das in der Latene D2 Periode wiedererstehende Heiligtum nicht den ursprünglichen Kultort respektiert und Feuerstellen priveligiert, die in den vorhergehenden Stadien nur andeutungsweise vorhanden waren, so crinnern doch manche zweitrangigen Ausstattungen bis an das Ende der älteren Kaiserzeit an die Organisation des keltischen Heiligtums.
Die Entwicklung zu einem kleinen gallo-römischen ländlichen Heiligtum ermöglicht es z.B. bei dieser Art von Monument Unterschiede zwischen Tradition und Fortschritt zu beobachten und einige Punkte einer näheren Untersuchung zu unterzichen (Zwillingstempel, späte Herausbildung eines “klassischen” fanums).
Das gefundene Mobiliar lädt ebenfalls zum Nachdenken ein über die Benutzung der Gegenstände oder der Tiere in diesem Zusammenhang, besonders durch das Vorhandensein von Münzersatzstücken oder Glücksbringern, die Verstümmelung der Objekte, die Beziehung zwischen Wohngebäuden und Heiligtum bei der Ausübung der Opferhandlungen. Im letzten Teil wird das Heiligtum von Bennecourt in seiner Umgebung studiert. Es wurde wohl an der Grenze zweier civitas und wahrscheinlich mehrerer pagi gegründet und lag in der Nähe von drei Oppida. Die Münzserien bestätigen mehrere regionale Einflussbereiche in keltischen Zeit. In gallo-römischer Zeit scheint der Einflussbereich des Heiligtums begrenzter zu sein. Seine Dekadenz in der spätrömischen Kaiserzeit wird auf dem Hintergrund der allgemeinen Religionsgeschichte und der Siedlungsentwicklung um das Heiligtum herum untersucht.