ZUSAMMENFASSUNG

- retour

- sommaire

- résumé

- abstract

- réf. biblio

dAf 68


JACQUET Pierre

Habitats de l'âge du Bronze à Lyon-Vaise (Rhône)

Der Bau der Umgehungsstraße Nord in Lyon hat eine großangelegte, archäologische Präventivgrabung veranlaßt. Zwei Jahre lang ist diese Aktion, auf acht Grabungsfeldern über 4 Linearhektar von einem Team der Afan durchgeführt worden.

 

Die Stätte hat 'vielseitiges Material hervorgebracht. Zu den Entdeckungen zählen Siedlungsfunde aus der frühen und dem Beginn der späten Bronzezeit.

 

Die Lokalisierung der Ablagerungen am Fuß des Hanges determiniert den Ablagerungskontext und die taphonomischen Bedingungen. Die Aufschichtungen durch Abschwemmen erklären die Entwicklung der, stellenweise durch Wasserrinnen gestörten, stratigraphischen Schichtensequenzen. Die bodenkundlichen Phänomene nehmen eine wichtige Stellung in der Entstehung der stratigraphischen Horizonte ein : Die intensive biologische Aktivität bewirkt vertikale Sedimentbewegungen und verursacht die Auslöschung der meisten stratigraphischen Signaturen. Zwischen dem nacheiszeitlichen lößigen Substrat und dem groben Kolluvium der frühen Antike liegt eine dicke Schlammschicht ohne jegliches Zwischenstadium. In diesem Abschnitt befinden sich die frühgeschichtlichen Siedlungsspuren.

 

Trotz der schweren Behinderung, die aus dem Verschwinden der Laufhorizonte und der schlechten Lesbarkeit der Hohlstrukturen entsteht, ist es dem Team gelungen, mehrere Siedlungsniveaus freizulegen.

 

Das Niveau der Spätbronzezeit stellt sich ais die fundreichste Schicht heraus. Die räumliche Analyse läßt für diese Periode trotz vieler Probleme bei der Bodeninterpretation eine Siedlungsgruppe aus mindestens 6 rechteckigen Gebäudestrukturen von ungefähr 35 bis 60 m2 erkennen, aus deren Anordnung keine gemeinsame Organisation ersichtlich ist.

 

Unter dieser ersten Schicht liegt eine zweite, die der Frühbronzezeit zugeordnet werden kann. Einzentrales Gebäude von mehr ais 20 m Länge scheint von zusammenhängenden Anlagen umgeben zu sein: hypothetische palisaden, Silos...

 

Ein drittes Niveau, das dem vorhergehenden stratigraphisch sehr nah ist, ist unter Schwierigkeiten nachgewiesen worden. Es wird ebenfalls der Frühbronzezeit zugerechnet und scheint einem fast identischen Organisationsschema zu folgen.

 

Das archäologische Fundmaterial der verschiedenen Siedlungsschichten ist bedeutungsmäßig sehr unterschiedlich. Jedoch ist die Keramik in jedem Fall die am besten vertretene Materialkategorie.

 

Die spätbronzezeitliche Besieqlung hat die reichhaltigste Gruppe geliefert, vor allem dank der 7000 Fragmente aus der Uferschutthalde. Alle Gefäßgattungen sind vertreten : große Vorratsgefäße, Kochtöpfe, Eßgeschirr... Einige morphologische Tendenzen herrschen vor : kurze, kantige Lippen, hohe Formen mit kaum geschwungenem S-förmigem Profil, hohe Schultern, flache, recht schmale Böden, X-förmige Henkel, Lappen auf der Lippe... Gefäße kleiner und mittlerer Dimensionen sind reich mit oberflächlichen Riefelungen verziert. Dekore wie Fingertupfenleisten und Drucklinien waren eher den großen Behältnissen vorbehalten. Es gibt auch einige elegantere dekorative Themen : dreieckige, eingeschnittene, schraffierte oder gestempelte Motive, oder Rippen...

 

Was die zwei Schichten der älteren Bronzezeit anbetrifft, ist das Material eher spärlich und die typologischen Bestimmungen sehr schwierig. In beiden Fällen scheinen die großen Vorratsgefäße die kleinen Gefäße zu überwiegen. Die obere Schicht enthält Töpfe des rhodanischen Typus mit einfachen oder rechtwinkligen Fingertupfenleisten und Haltelappen und daneben Gefäße gedrungener Form, mit einer glatten Leiste unter der Lippe. In der älteren Schicht sind Gefäße des rhodanischen Typus nicht vertreten. Einige Schalen mit Verzierungen in der Glockenbechertradition sind vielleicht dieser Schicht zuzuordnen.

 

Die lithische Industrie, die logischerweise in der Frühbronzezeit besser vertreten ist ais in der Endphase zeichnet sich durch die Vielzahl der benutzten Materialien aus und durch die Schwierigkeit die ökonomische und technologische Funktionsweise zu ermitteln.

 

Das lokale Abschlagen scheint in der Spätbronzezeit 1ein Abschlagen von kurzen, dicken Scherben zu sein; die Werkzeuge sind hauptsächlich retuschierte Splitter, aber die morphometrischen Daten sind mit den en der Abschläge nicht vollkommen vereinbar. In typologischer Hinsicht, gehören zwei drittel der Geräte zu grob bearbeiteten Gruppen. Sorgfältig bearbeitete Werkzeuge sind selten.

 

In der Frühbronzezeit beobachtet man hauptsächlich die Produktion und Benutzung von Abschlagen und Splitterwerkzeugen. Man kann erwägen, daß das Abschlagen selbst und die Werkzeuge hauptsächlich auf einer dichotomischen Struktur basieren ; die erste, vorherrschende Fundkategorie zeugt von einem minimalen technischen Aufwand im Rahmen des . Hausgebrauchs. Dieser Gruppe steht eine zweite, weiterentwickelte gegenüber, die nur ein paar Exemplare umfaßt und typologisch wenig variiert ist (Kratzer, Stichel, Schaber).

 

Einige seltene Gegenstände aus Stein, Knochen oder aus kupferhaltigem Metall vervollständigen das Fundrepertoire. Alle sind unvollständig, was wohl erklärt, daß sie weggeworfen wurden.

 

Die Keramik der Spätbronzezeit besitzt überzeugend ähnliche Züge mit einigen anderen Fundkomplexen insbesondere aus dem Jura (den Grotten von Lains und Gigny, und der Grotte des Gardon in Südfrankreich), aber auch mit Grotten der Bourgogne und der Nordalpen. Die Gegenüberstellungen ergeben eine zeitliche-kulturelle Einordnung in die Spatbronzezeit 1,die von den C14- Datierungen bestätigt wird, die das 15. und 14. Jh. ais wahrscheinlichstes Siedlungsdatum ergeben.

 

Was die Besiedlung der Frühbronzezeit angeht, erlauben die sehr ungewissen Fakten und die Bescheidenheit des Materials nur einige vorsichtige Hypothesen ; die obere Schicht scheint typologisch eher recht weitentwickelte Züge der Frühbronzezeit aufzuweisen und sich sowohl durch meridionale wie septentrionale Züge auszuzeichnen. Die einzige zuverlässige Radiocarbondatierung, die für diese Schicht durchgeführt wurde, gibt eine Besiedlung zwischen dem 20. und dem 14. Jh.v.Chr an. Für die erste Siedlungsphase konnte überhaupt keine präzise Hypothese aufgestellt werden.

 

Eine großangelegte Kampagne von Probenentnahmen und Analysen der Paleoumwelt ist auf dem Gelände durchgeführt worden. Sie ermöglicht es, die Landschaftsentwicklung in großen Zügen nachzuverfolgen, und gemeinsam mit den archäologischen Fakten einige Perspektiven bezüglich der Ökonomie der Fundstätte aufzustellen. Die Siedlungen der älteren Bronzezeit liegen einer bereits ziemlich entwaldeten Landschaft. Die Nähe eines Baches und der Saône erklären jedoch die Häufigkeit der Uferbaumarten. Diese Landschaft lichtet sich noch in der Spätbronzezeit : der Wald ist dann wahrscheinlich auf das Plateau begrenzt und der Uferbaumbestand selbst scheint teilweise genutzt zu werden. Weizen, Gerste, Hirse und Bohnen werden angepflanzt und das Sammeln von Eicheln und Haselnüssen scheint sowohl in der Frühbronzezeit wie in der Spätbronzezeit eine wichtige Nahrungsquelle gewesen zu sein. Das häusliche Dreigespann ist recht gleichgewichtig vertreten. Jagd und Fischerei sind nachgewiesen, scheinen jedoch eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben.

 

Die Randzonen der Ebene von Vaise bieten Möglichkeiten, die dazu beitragen, das Vorhandensein dieser Siedlungen zu erklären. Die Besiedlung der Hänge, die es erlaubt, über ein ökologisch vielfältiges Gebiet zu verfügen, ist eine mittlerweile bekannte Konstante; bei der Nordumgehungsstraße kommt der Vorteil der Flußnähe noch hinzu. Die Fundverteilungskarte ist jedoch noch zu unvollständig, vor allem für die Frühbronzezeit, um die Struktur und die Geschichte der lokalen Bevölkerung zu beurteilen, um 50 mehr ais bis heute keine Nekropole bekannt ist.

haut de page