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dAf 67


COUDART Anick

Architecture et société néolithique

L'unité et la variance de la maison danubienne

Ein Haus wird errichtet sowohl um eine natürliche Umgebung zu kontrollieren wie um ein soziales Milieu zu ordnen. Deshalb dient die hier vorgelegte architektonische Untersuchung ais Vorwand für die Analyse der sozialen und strukturellen Verhältnisse innerhalb der ältesten neolithischen Gemeinschaften Mittel- und Westeuropas. Aus den Gegenden an der .mittleren Donau kommend, haben diese "donauländischen" Gruppen in der Zeit wahrend der zweiten Hälfte des 6. und der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends ein enorm großes Gebiet besiedelt (Abb. 1). Der Begriff "donauländisch" umschreibt zwei chronologische Horizonte, die hier ais "bandkeramisch" (rubané) und "postbandkeramisch" (postrubané) bezeichnet werden (Abb. 3). Eine einfache Beschreibung und Typologie der donauländischen Hauser erlaubt die Unterscheidung dieser beiden Einheiten, zeigt aber gleichzeitig auch deren Kontinuität.

 

Die Gestaltung des donauländischen Hauses variierte, obwohl sie einem festen typologischen Kanon unterlag, von einem Bau zum anderen, ohne daß eine gegenseitige Abhängigkeit zu bemerken wäre. Alle Bemühungen um eine Beschreibung mit Hilfe einer einheitlichen Typologie sind bisher an dieser Vielfalt gescheitert und darum unbefriedigend geblieben (vgl. Modderman 1970: Abb. 12). Es empfiehlt sich darum, das donauländische Haus nicht weiterhin ais unteilbares Ganzes zu betrachten, sondern es, im Gegenteil, analytisch zu zerlegen, um den multidimensionalen Zusammenhang herzustellen. 50 kann man beobachten, daß die Bandkeramiker über mehrere Möglichkeiten verfügten, um die jeweils drei Raumeinheiten (Vorder-, Mittel- und Hinterteil) ihres Hauses zu gestalten. Die Kombinationsmöglichkeiten sind zahlreich, obwohl manche häufiger gewählt wurden ais andere (Abb. 31). Es ist folglich gewinnbringender, jede architektonische Komponente typologisch gesondert zu untersuchen.

 

Die Distanz zwischen den . Dreierpfostenreihen scheint nicht durch funktionelle Zwänge, sondern durch kulturelle Normen bestimmt worden zu sein, denn je länger das bandkeramische Haus ist, desto mehr nehmen auch die Jochlängen zu (Abb. 38a). Die Dreierpfostenreihen dienten dazu, den Raum zu gliedern (Abb. 10). Eine der Gliederungsformen, die Abfolge von progressiven Jochen oder Typus D, ist besonders erwähnenswert (Abb. 43). Eine einfache statistische Untersuchung erlaubt es, Herkunft und Entwieklung der bandkeramischen Architektur in zwei Stadien zu beleuchten: ein erstes Stadium der Behandlung der zeitlich und räumlich beständigen architektonischen Elemente (hier ais traditionsgebunden bezeichnet); und ein zweites, weniger regelhaftes Niveau, das auf eine einzige Region beschränkte oder sich einer Typologie entziehenden Elemente untersucht.

 

Vierzehn Merkmale scheinen außerordentlich beständig gewesen zu sein, während andere (wie die absolute Hauslänge oder die absolute Anzahl der Pfosten) nicht kulturell gebunden zu sein scheinen, sondern eine Antwort sind auf lokale oder mehr zufällige Bedingungen. Es waren wohl die veränderlichsten traditionsgebundenen Elemente (Organisation des vorderen, mittleren oder hinteren Hausbereichs, Verteilung der Dreierpfostenreihen usw.), die die unausweichlichen Veränderungen innerhalb der bandkeramischen Architektur auslösten. Die Merkmale, die nur zwei oder drei wählbare Varianten besaßen (die Raumgliederung beispielsweise) sind erst in den jüngeren Perioden post-bandkeramischer Zeit in 'Frage gestellt worden, oder ihre Veränderung vollzog sieh bruchlos (Form des Grundrisses oder der Trennung zwischen Raumeinheiten, usw.). Diejenigen Merkmale, die das stärkste Maß an Normalisierung enthalten, blieben bestehen bis in die ausklingende donauländische Zivilisation: bis an deren Ende waren die post-bandkeramischen Bauten - nach dem Vorbild des ursprünglichen Modells -lang und viereckig, mit dem Rücken nach der nächsten Meeresküste ausgerichtet und mit querverlaufenden Dreierpfostenreihen erbaut.

 

Indem es die Gestaltung des Hauses bedingte, hat sich das Wirken der kulturellen Normen den technischen Veränderungen, die eine architektonische Verbesserung hatten bewirken können, entgegengesetzt. Dieses Phänomen erklärt auch die Beständigkeit im Verhältnis zwischen Arbeitsaufwand und erzieltem Resultat; der erste quantitative Sprung bei den verschiedenen Quotienten der architektonischen Leistung erscheint erst in post-bandkeramischer Zeit (Abb. 95). Auch die Ausrichtung der Bauten ist wohl weniger durch die Absicht bestimmt, die Einwirkungen von Wind und damit verbundener Klimafaktoren zu verringern. Sicherlich, die Bandkeramiker haben auch aerodynamische Hauser (mit trapezförmigem Grundriß) gebaut, aber sie haben deren Verwendung nie verallgemeinert ; sicher ist auch, daß eine Beziehung besteht zwischen der Orientierung der Hauser und dominierenden Sommerwinden, aber diese Erkenntnis bewahrheitet sich nicht für das gesamte Gebiet der donauländischen Kulturen (Abb. 102). Es gibt zahlreiche ethnographische Beispiele, die zeigen, daß der trapezförmige Grundriß gewählt wurde, um eine hohe und monumentale Fassade zu errichten.

 

Allerdings sind Veränderungen in der Gestaltung während der gesamten Dauer der bandkeramischen Kultur wirksam. Diese Gestaltungsprinzipien konnten innerhalb eines Registers von kulturell definierten Normen verschiedene, die architektonische Tradition respektierende Formen annehmen. Die funktionell unterschiedlichen Komponenten des Hauses waren ebenso wie die Faktoren, welche die Vielfaltigkeit anregten oder unterdrückten, gezwungenermaßen von verschiedener Art. Es ist möglich, drei Arten von Phaenomenen zu erkennen: ein individueller Ausdruck, der erkennbar ist im Grundriß des Baus; wirtschaftliche oder raumgebundene Eigenschaften, die sichtbar werden durch Abweichungen im vorderen oder hinteren Teil des Hauses; und schließlich eine Abweichung des Grades der architektonischen Vereinheitlichung innerhalb der Siedlung, die bestimmt ist durch die Variationen im Abfolgerhythmus der Joche und des Mittelteils. Hier scheint es gerade so, ais hatte, im Zentrum des Siedlungsgebietes und zu einem Zeitpunkt ais die Bandkeramik ihre größte Verbreitung besaß, die Normalisierung der Wohnbauten innerhalb eines Dorfes eine lockerere Form angenommen im Vergleich zu den späteren Kolonisierungsgebieten, ais ob ein dichtes Netz an Siedlungen zu einer Abschwächung beigetragen hätte (Abb. 113). Sowohl die Einheitlichkeit wie der kulturelle Zusammenhang des postbandkeramischen Hauses wurden zu regionaler Bedeutung abgeschwächt; andere Faktoren haben nun wahrscheinlich zur Erhaltung der sozialen Bindung beigetragen.

 

Die häufigste Form des bandkeramischen Hauses gliederte sich in drei Teile. Der Frontteil oder Eingang stellte den Übergang dar zwischen den 'Bereichen im Innern und Außen. Nimmt man an, daß im Bereich des Eingangs gelegentlich ein einsichtbarer und von allen kontrollierbarer Speicher eingerichtet war, so könnte man ais Hypothese annehmen, daß die Hausgemeinschaft einen kollektiven Speicher zwar bewirtschaftete, jedoch den übrigen Hausgemeinschaften gegenüber Rechenschaft schuldig war. Der tatsächliche Übergang "öffentlich / privat" fand voraussichtlich dort statt wo Vorder- und Mittelteil aneinanderstießen (die Einförmigkeit dieser Abtrennung steht im Gegensatz zu der großen Vielfalt der Frontpartie). Gelegentlich in direktem Anschluß an den äußeren Bereich (im Falle von zweiteiligen Häusern), jedoch meist getrennt davon, entspricht der mittlere Hausbereich einer sowohl zugänglichen wie auch vorbehaltenen Zone. Der direkte Zugang erweist ihn ais möglichen Ort für den Empfang von Besuchern. Die von seiner Größe unabhängige Gestaltung macht es wahrscheinlich, daß dieser Bereich kein Schlafraum war, sondern häuslichen Verrichtungen diente. Am anderen Ende des Hauses liegend und durch ein zweites "couloir" abgetrennt, war der hintere Bereich eine Zone, in die Fremde vermutlich keinen Zutritt hatten.

 

Unter Berücksichtigung der Einfërmigkeit ihrer Häuser wie der Teilung der Arbeiten bei der Nahrungsmittelbeschaffung scheint es, strukturell gesehen, ais wären die einzelnen Mitglieder innerhalb der bandkeramischen Gemeinschaften gleichgestellt gewesen. Die Anzahl der Hausgemeinschaften innerhalb eines bandkeramischen Dorfes scheint auf einen Mittelwert von sechs Einheiten begrenzt gewesen zu sein. Daraus ergibt sich ein mittlerer Wert von 100 Dorfbewohnern; eine Zahl die genügt, um den pflichten des Nahrungsproduktion nachzukommen, die aber, gruppiert in sechs Einheiten, auch die Möglichkeiten von Konflikten auf sechs Quellen beschränkte. Allerdings führen die erkennbaren Variationen zur Annahme, daß Unterschiede in der Stellung und der Verantwortung bei der Organisation . parallel zu der Sozialstruktur mit Gleichstellung existiert ha ben. Die regionale stilistische Einheitlichkeit der Keramikverzierung und die Gemeinsamkeiten im architektonischen Modus zeigen Gemeinschaften an, die kein Interesse hatten, sich voneinander abzugrenzen und die folglich auch nicht in einem Wettbewerb zueinander standen. Außerdem sind die sehr geringe Zahl von "Prestigegütern", ebenso wie die Grenzen der ackerbaulichen Produktivität und das Fehlen von quantitativen Unterschieden im Besitz des einen oder anderen, Elemente, die unvereinbar sind mit der Konzeption der "Big Man-Gesellschaft". Dennoch und trotz der großen Übereinstimmung im architektonischen Bereich, muß eine Abgrenzung zwischen Hauseinheiten bestanden haben, die in der Folge die Basis für tiefergreifende Unterschiede darstellte. Jedenfalls haben sich bereits manche bandkeramische Häuser "diskret" abgesondert (Abb. 117). Wie dem auch war, muß festgehalten werden, daß die bandkeramische Architektur einem einheitlichen Modell folgte und Ausdruck sowohl des sozialen Gefüges wie der kulturellen Identität der donauländischen Gemeinschaft war. Der langsame, aber unaufhaltsam fortschreitende Abbau des architektonischen Modells hat vermutlich das Aufkommen von individuellen Kundgebungen, so wie sie kennzeichnend sind für die post-bandkeramische Periode, begünstigt. Die regionalen und lokalen Unterschiede, die sich nunmehr einstellten, deuten an, daß die Errichtung eines Hauses nunmehr nicht mehr zur Wiedergabe einer überregionalen Einheit beitragen konnte.

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