ZUSAMMENFASSUNG

- retour

- sommaire

- résumé

- abstract

- réf. biblio

dAf 64


BRUNAUX Jean-Louis et MENIEL Patrice

La résidence aristocratique de Montmartin (Oise) du IIIe au IIe s. av. J.-C.

1. Einleitung

J.-L. BRUNAUX

Die Anlage der « Fosse Muette » in Montmartin (Dept. Oise) wurde zufällig anlässlich der Bauarbeiten für den TGV Nord endeckt. Die Ausgrabung wurde unter schwierigen Umständen von Februar bis August 1990 von einer Rettungsmannschaft unter der Leitung von J.-L. Brunaux, dann im Laufe des Jahres 1991 von den Autoren des Bandes ausgeführt. Obwohl sie wenigen Mitteln ausgeführt wurden, sind die Ausgrabungen und die darauf folgende Studie nicht destoweniger vorbildhaft.

Am Rande des linken Ufers vom Russ Aronde gelegen ist die Anlage nur 3 km - entfernt vom keltischen ausgleicher Zeit stammenden Heiligtum in Gournay-sur- Aronde. Es handelt sich um eine Gegend, die archäologisch reich und unter anderem für die Zeit von La Tène bekannt ist. Die Wohnanlage ist zum größten Teil durch Agrarstrukturen gekennzeichnet. Die Siedlungen sind selten. Die Begräbnisse sind verhältnismässig zahlreich: es sind immer Gruppen von weniger ais 10 Gräbern, die in ihrer Mehrzeit Einäscherungsgräber sind. Aber die menschliche Besetzung zur Zeit von La Tène ist auch gekennzeichnet durch mehrere Heiligtümer unter denen zwei, die in der Nahe der Anlage liegen (Gournay und Estrées-Saint-Denis) vor kurzem ausgegraben worden sind.

Die Anlage der "Fosse Muette", die auf dem kalkigen Plateau liegt, nimmt einen dreieckigen Raum ein, der auf den beiden Seiten durch den Zusammenfluss der Aronde mit einem heutzutrage trockenen, "Fossé de Lagny" genannten Tal begrenzt ist. Die maximale Ausdehnung der Wohnanlage belauft sich auf etwa 13 ha, aber die Ausgrabung hat sich auf 3 ha beschränkt, die dem Zusammenfluss am Nächsten liegen.

Die Ausgrabung, die durch den Anfang der Bauarbeiten für die TGV Linie zerstückelt war, wurde willkürlich in drei Zonen geteilt : Zone A (Standort der TGV Unie: teilweise beobachtet, aber nicht ausgegraben), Zone B (Standort eines Steinbruchs : das westliche Gebiet ausgegraben), Zone C (östliche Spitze des Zusammenflusses : Standort der Kultstätte : ausgegraben).

 

2. Die Überreste der Wohnanlager

B. BOULESQUIN, J.-L. BRUNAUX, H. DUDAY, G. FERCOQ DU LESLAY, T. LEJARS, P. MÉNIEL

Die Überreste der Wohnanlage sind in der ganzen Zone B und im südlichen Teil der Zone C entdeckt worden. lm oberen Teil der Anlage (Zone B) ist die Erosion so stark, dass nur die tiefen Strukturen behalten waren und ausgegraben werden konnten (Zaun und Palisadengraben, Silos). Die Zauneinrichtungen erlauben, die räumliche und chronologische Entwicklung der Anlage besser zu verstehen. Die älteste Phase (LT Cl) ist durch den Zaun 337-8-29 von 3 ha vertreten, der durch einen 3 Meter tiefen Graben materialisiert ist. Die folgende Phase (Ende LT C1-Anfang LT C2) ist durch eine Neueinrichtung der Zaunanlage gekennzeichnet: eine mächtige Palisade steht im Graben, ein entwickelter Eingang (vielleicht von Typ Zangentor) ist durch die Gräben 6 und 339 materialisiert. Die letzte Phase (La Tène C2-D1) entspricht dem Zaun 26-30, dem Graben XX (der nur mit der Luftphotographie sichtbar ist). Die Flache der Wohnanlage erreicht dann 13 Ha.

Die Gebäude sollten verhältnismässig zahlreich sein: die kulinarische Überreste und die Bau- und Handwerkstoffe, die die Anschüttung der Graben erfüllen, legen davon Zeugnis ab. Die Erosion hat davon nur wenige Spuren hinterlassen. Es gab zwei Typen von Gebäuden: Häuser mit geschlossenem Gerüst, die sich auf niedrige Schwellen stützten und kleine Gebäude (die man im allgemeinen als Speicher betrachtet) die sich auf vier im Boden gesteckte Pfosten stützen. Von den letzten besitzen wir nur den Plan, der durch die Pfostenlôcher angegeben ist. Von den ersten haben wir die Überreste von drei Exemplare entdeckt, die sich alle auf dem südöstlichen , am besten behaltenen Abhang der Anlage befinden. Es handelt sich um geräumige (Haus 50 unter anderem) halbvergrabene Häuser, die ein reiches Material geliefert haben. Diese Hauser sind ais Hauser wohlhabender Familien zu betrachten. Unter den anderen Anlagen zählt man Silos, vor allem aber zwei große zylindrische Gruben (W 12 u. 25), die zu einem in Nordfrankreich nie getroffenen Typus gehören. Ihre Funktion ist problematisch. Zisterne, Eiskeller oder Verlies ? Spuren von handwerklicher Tätigkeit sind überall auf der Anlage zu finden. Sie sind besonders zahlreich im Süden des Zauns 56, wo sichwichtige metallurgische Anlagen befinden sollten (Reduktion des Erzes und Zurechtlegung).

Das Material, das man auf der Wohnanlage findet, ist zahlreich ; es besteht vor allem aus Keramik und Tiergebeinen, aber auch aus einer gewissen Anzahl von Gegenständen, die auf den anderen Wohnanlagen selten sind und in Montmartin auf der Kultstätte gut vertreten sind (Zaun 56) : Rbeln, Waffen, Schmuck. Es wurde keine Münze entdeckt, was logisch scheint : die Anlage wurde in den Jahren -100 verlassen, und die gewöhnliche Münze (Potinmünze) verbreitet sich ab den 90er Jahren. Die Keramik vor allem bietet eine Sammlung von mehr ais 500 Formen, die umfangreichste im Nordfrankreich zu dieser Zeit. Unter einer umfangreichen Sammlung, wo man Luxusgeschirr und nützlichere Gefäße unterscheidet befinden sich schon ab der La Tène C2 gedrehte Keramik, Importe aus dem Zentrum Frankreichs (gemalte Gefäße), aus dem Westen, sowie Amphoren aus der Zeit der Republik. Das Metalmaterial (Werkzeuge, Waffenfragmente, zahlreiche Montagen- u. Fixierungstücke) ist nach dem Beispiel der Keramik mannigfaltig und offenbart einem hohen Lebensstandart der Bewohner. Das bestätigen auch die Tiergebeine, die sich völlig von denen unterscheiden, die man gewöhnlich auf den sogenannten "einheimischen" Bauernhöfen findet. Die Reischnahrung erweist sich ais mannigfaltig. Die wichtigste Entdeckung ist in dieser Hinsicht die Entdeckung großer Pferde aus dem II. Jahrhundert vor Christi Geburt, die importiert werden konnten, wahrscheinlich aus Italien.

 

3. Die kultuelle und öffentliche Stätte

B. BOULESQUIN, J.-L. BRUNAUX, H. DUDAY, G. FERCOQ DU LESLAY, T. LEJARS, P. MÉNIEL

Der Zaun, der an der Spitze des Zusammenflusses liegt, ist die bemerkenswerte Struktur der Anlage. Er ist auf zwei Seiten durch einen Graben von mehr ais zwei Meter Tiefe und auf den beiden anderen Seiten durch die Steilen Abhänge der Täler begrenzt und hat eine Rache von ein bisschen weniger ais 1 Ha. Abgesehen vom Komplex 57-99 war die ganze Innenfläche jeder Struktur bar. Nun ist die Zone die am besten behaltene. Man kann daraus schließen, dass es kein anderes Gebäude, keine andere Anlage gab. Der Zaun hat also die Rolle eines geschlossenen Platzes gespielt. Der Graben (W 56) hat ein sehr reiches Material geliefert, das uns über die Funktion dieser Struktur und ihre Geschichte Informationen gibt. Sie hat diegleiche chronologische Entwicklung, wie die übrige Anlage erlebt. Sehr früh hat dieser Graben zur Festlegung einer monumentalen mehrmals wiedergebauten Mauer gedient.

In der Ausschüttung des Grabens wurden Tierreste entdeckt, die ziemlich verschiedenen von denen sind, die auf der übrigen Wohnanlange zu finden sind, vor allem ausserodentliche menschliche Überreste. Es handelt sich zum Teil um Schädelstücke, die Spuren von Schnitt und sehr entwickelter Entfleischung aufweisen. Diese menschlischen Überreste, zu denen sich zahlreiche Waffen gesellen, lassen keinen Zweifel über das kultuelle Wesen dieser Struktur bestehen.

Dieses wird durch die Deutung des Komplexes 57-99 bestätigt, das in verkleinerten Dimensionen die fast genaue Reproduktion der Kernstruktur des Heiligtums in Gournay ist. Sie weist zwei zylindrische, nebeneinanderliegende Gruben auf, die mit Pfostenlöchern umgeben sind. Die stratigraphische und räumliche Analyse erlaubt, fünf Benutzungsphasen zu unterscheiden. Die vom einfachen Höhlen Altar über eine archaische Art bedeckten Altars zum kleinen Tempel gehen. Dies entspricht in großen und ganzen der architektonischen Entwicklung des Tempels in Gournay.


4 Deutung

B. BOULESQUIN, J.-L. BRUNAUX, H. DUDAY, T. LEJARS, P. MÉNIEL

Die auf der ganzen Wohnanlage entdeckten Tierreste beweisen, dass die Bewohner eine vielfätigere, vor allem Qualitativ bessere Tierzucht betrieben ais auf den anderen agraren Anlagen. Ein Teil der Bevölkerung sollte mit handwerklichen Tätigkeiten völlig beschäftigt sein, die nicht nur mit einer Agrarwirtschaft verbunden sind. Die Eisenverarbeitung war hoch entwickelt und die Handlungskette begann mit der Erzverarbeitung. lm allgemeinen offenbaren die materiellen Überreste einen hohen Lebensstandart der noch durch die Spuren kultueller Tätigkeit auf der Wohnanlage bestätigt wird.

Der Zaun 56 soll ais ein Platz gedeutet werden, der eine doppelte Funktion aufwies: einerseits eine öffentliche oder politische, andererseits eine mit dem Kult verbundene Funktion. Der kleine, auf dem höchsten Punkt und abseits liegende Tempel erlaubte die Ausführung der kultuellen Praxis: davon zeugen die Tiergebeine. Aber er verlieh vor allem Versammlungen eine göttliche Autorität, deren aristokratischer und politischer Charakter durch die Anwesenheit von Waffen und Menschenschädeln verraten sind, die anfangs an der Ringmauer hingen.

Das Komplex 57-99, das eine fast linearische Entwicklung zwei Jahrhunderte lang aufweist, erlaubt das Wesen und die Entwicklung der kultuellen Einrichtung besser zu verstehen, die bisher durch die Anlage in Gournay dokumentiert sind. Das gesamte Material und diese Strukturen erlauben eine ziemlich genaue Datierung. Die Wohnanlage wurde schon gegen Ende der La Tène B2 eingerichtet, zur gleichen Zeit wie das Heiligtum in Gournay. Ihre wahrscheinlich völlige und heftige Zerstörung geschah am Ende der ersten Hälfte der La Tène D1, also in den Jahren -100. Es ist möglich, sie mit Ereignissen in Verbindung zu setzen, die sich auf den Eroberungskrieg der Cimber und der Teutoner und genauer auf ihre Rückkehr im Jahre -103 beziehen. Titus Livius belehrt uns nähmlich, dass sich die zwei Gruppen dieser Eroberung auf dem Gebiet der Veliocasser, also in der Nähe von Montmartin vereinigt haben. Die Natur des Brandes, der die Mauer des Zauns 56 gestört hat, weist auf eine absichtliche, durch den Menschen wahrscheinlich mehrere Tage lang weitergeführte Handlung hin.

 

5. Synthese

J.-L. BRUNAUX

Dieser Teil ist der Forschung mehrerer allgemeiner archäologischer und historischer Probleme gewidmet, auf welche die Entwicklungen in Montmartin zum Teil antworten. Zunächst stellt sich die Frage nach der wirklichen Natur der sogenannten « einheimischen " Bauernhöfe. Man soll zwischen den durch Klientenbesetzten« Prachthöfen " gewöhnlicher Art und den wirklichen « villae ", den Unterkünften der Grundbesitzer einen Unterschied machen. Die Anlage der « Fosse Muette» scheint, der zweiten Kategorie zu gehören. Das so betrachtete Problem des Grundbesitzes mündet in die allgemeine Frage nach dem Wirtschafts- u. Gesellschaftstypus, der während der mittleren La Tènezeit in Nordgallien herrschte. Die Antworten auf diese Fragen beziehen sich weitgehend auf die allgemeinen archäologischen Daten und die historischen, u. a. cäsarischen Quellen. Die Forschung all dieser Elemente erlaubt, ein Bild der Raumbesetzungim « Belgium", diesem Kernterritorium der belgischen Stamme zu malen.

Die ganz eigenartigen kultuellen Elemente, die in Montmartin zu finden sind, zwingen uns auch, unsere Kenntnis in Bezug auf die architektonischen Ausbauten, und die religiösen Riten zu revidieren. Die kultuelle Einrichtung von Montmartin erlaubt einen neuen Typus zu definieren, der sich von Heiligtum unterscheidet und dieser Art Wohnanlage eigen ist. Doch ist es die doppelte Natur vom geschlossenen Platz, die die fruchtbarte Entdeckung scheint. Sein kultueller und öffentlicher Charakter erlaubt, in ihm eine politische Einrichtung zu sehen, die uns in Gallien noch unbekannt war und ähnlichen Entdeckungen die Bahn brechen sollte. Ais wahrscheinlicher Ort politischer und kriegerischer Versammlung war dieser Platz nur den von Cäsar geschilderten « Equites »zugänglich, diesen Aristokraten, die im Senat sitzen konnten.

Die kleine Dimension der Wohnanlage in Montmartin, die kaum mehr ais hundert Personen bergen konnte und die Merkmale, die im Laufe der Studie (umfangreiches Material, Vielfalt der landwirtschaftlichen und handwerklichen Beschäftigungen, Anwesenheit von Waffen und Ehrenbezeigungen) erlauben, die Hypothese eines aristokratischen Guts aufzustellen, dessen Zentrum die Wohnanlage de « Fosse Muette » wäre, ein Wohnsitz, der aus den Häusern der Aristokraten, der Klienten und der der Sklaven den landwirtschaftlichen und handwerklichen Gebäude und schließlich der politischen und kultuellen Stätte bestand.

Die mit den verhälnismässig zahlreichen historischen Quellen vergleichenen archäologischen Daten erlauben, eine Geschichte dieses aristokratischen Guts in seinem regionalen Kontext zu entwerfen.

haut de page