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PININGRE Jean-François
Nécropoles et société au premier âge du Fer :
le tumulus de Courtesoult (Haute-Saône)
Der Grabhügel von Courtesoult (Haute Saône) aus der älteren Eisenzeit liegt in der Nähe des Flußes Le Salon, ein rechtsseitiger Nebenfluß der oberen Saône. Von August bis Oktober 1987 fanden hier infolge der durch landwirtschaftliche Arbeiten verursachten Abtragungen Notgrabungen statt.
Zum Zeitpunkt der Grabungen hatte er die Form eines ausgedehnten Flachhügels mit einem Durchmesser von 30 m und einer Erhebung von 0,70 m. Es sind zwei unterschiedliche Errichtungsphasen festgestellt worden. Ein ursprünglicher Grabhügel mit ca. 9 m Durchmesser war von einem Graben umgeben, dessen Aushebungsrückstände nach außen verworfen wurden. Dieser Grabhügel wurde später aufgestockt und der Graben aufgefüllt, um neue Gräber unterbringen zu können.
Interessant ist die Untersuchung dieses isolierten Hügels wegen der hohen Anzahl der in ihm enthaltenen Gräber. Die Schätzungen belaufen sich unter Einbeziehung der vor den Grabungen zerstörten Gräber auf mindestens 47 Individuen. Sechsundreißig mehr oder weniger gut erhaltene Einzel- oder Mehrfach-Skelettgräber und 6 ausschließlich aus Doppelritualdepots bestehende Urnengräber sind durch die Grabungen erschlossen worden. Anhand der Beigaben von 30 Körperbestattungen kann man eine den Gräbern interne Chronologie aufstellen und die verschiedenen Belegungsphasen des Monumentes zwischen der Ha D1 und der La-Tène A nachvollziehen. Die typologische Untersuchung der umfangreichen fast ausschließlich aus Schmuckstücken bestehenden Funde (Fibeln, Armreifen, Knöchelringe, Gürtelspangen, Korall-,Glas-, Bernsteinund Bronzeperlen) liefert eine besonders gut belegte Fundreihe für die Erstellung einer Chronologie der ausgehenden Hallstattkultur oberhalb des Jura. Man erkennt vier chronologische Gruppen oder Phasen, die mit der von deutschen Archäologen vorgeschlagenen Chronologie verglichen werden können :
- Phase 1, Ha Dl, Parzinger 6;
- Phase 2, Ha D1-D2, Parzinger 7a;
- Phase 3, Ha D2, Parzinger 7b-c;
- Phase 4, Ha D3-Beginn der La-Tène A, Parzinger 8-9.
Anhand dieser Chronologie erkennt man deutlich einen jüngeren Ha 01-Horizont (Parzinger 7a), eine Entwicklung des Schmucks im Ha 02-03 und kann Gruppen der beginnenden älteren La- Tène-Kultur heraussondern.
In der Studie der Bestattungspraktiken wird insbesondere die Gestaltung der Gräber hervorgehoben. Bodenbeobachtungen (organische Spuren) und Interpretationen der Lageänderung der Leichnamen in ihren Gräbern lassen auf die Verwendung unterschiedlicher Sarge schließen (Sarge aus einem Holzstück 'Monoxyl', Särge aus einzelnen Teilen). Es wurde ebenfalls eine Typologie der verschiedenen Steinanordnungen aufgestellt : Umrandungen, Keilstücke, Kasten aus Steinplatten. Aufgrund einer gründlichen Untersuchung der Totenbekleidung unter Berücksichtigung der chronologischen und der anthropologischen Daten (Geschlecht und Alter der Toten) ist es möglich, die gesellschaftliche Struktur dieser Menschengruppe über fast zwei Jahrhunderte im Rahmen der westlichen Hallstattkultur zu beleuchten.
Ausführliche anthropologische und paläodemographische Betrachtungen werfen weiteres Licht auf die Entwicklung der Gräberstruktur in dem Grabhügel. Es sind somit im wesentlichen zwei Phasen erkennbar. Den Mittelpunkt bildet ein erstes reich ausgestattetes Frauengrab. Von dort aus siedeln sich in chronologischer Reihenfolge in einem kreisförmigen Verlauf zur Peripherie hin weitere Skelettgräber an. Beide Geschlechter sind um das zentrale Grab herum gleichmäßig vertreten (Phasen 1 und 2). Die Gräber der Phasen 3 und 4 sind so angeordnet, daß zu beiden Seiten eines im Osten liegenden zerstörten oder geplünderten Dreiergrabes im Norden eine Gruppe vornehmlichaus Frauengräbern und im Süden eine Gruppe vornehmlich aus Männergräbern entstanden ist. Dieser Beitrag eröffnet auch die Diskussion über die Zusammensetzung der Population des Grabhügels (Kinder unter fünf Jahren sind unterrepräsentiert) sowie die Struktur der Bevölkerungsgruppe und ihre demographische Zusammensetzung.
In Bezug auf das gesamte Gebiet zwischen Jura und Burgund liefert die Gegenüberstellung der Informationen über den Grabhügel von Courtesoult und zeitgenössische Grabfelder des Jura und des oberen Saône-Beckens, die zum Tei/ noch nicht veröffentlicht sind (Grabhügel von Gy, Bucey-lès-Gy, Savoyeux, Venère, Montarlot-lès-Champlitte, Nekropole von Mantoche) weitere Erkentnisse über die Entwicklung der Bestattungsbräuche zwischen dem Ende des 7. Jh. v. Chr. und der 2. Hälfte des 5. Jh. v. Chr. in einem Gebiet, in dem keine jüngeren Studien über die altere Eisenzeit vorliegen.
Die Funde bestehend aus Schmuckstücken überregionaler Verbreitung (Tonnenarmreifen, schlangenförmige Fibeln) weisen auf eine besondere Verbindung zwischen dem oberen Saône-Becken und dem Jura sowie dem nordalpinen Gebiet hin. Parallel dazu sind Jura, Saône-Tal und Burgund durch örtliche Produktionen miteinander verbunden. Abschließend findet eine Betrachtung von Courtesoult vordem Hintergrund der Entwicklung der Fürstengesellschaften der ausgehenden Hallstattkultur anhand der über das Saône-Becken vorliegenden Informationen Statt : adlige und fürstliche Grabfelder von Mantoche, Apremont, Mercey, Savoyeux, befestigte Siedlungen und Talsiedlungen.