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DUNIKOWSKI Christophe, CABBOI Sandra
La sidérurgie chez les Sénons : les ateliers celtiques et gallo-romains des Clérimois (Yonne)
Die Ausgrabung des paleometallurgischen Komplexes Les Clérimois (Yonne) ist im Rahmen der archäologischen Rettungsarbeiten auf der Autobahntrasse A5 zwischen Sens und Troyes (Abb. 1) durchgeführt worden. Der Fundort umfasst drei Eisenherstellungsbetriebe in einem Abstand von 30 m und liegt am Nordhang eines Talweges am Rande der Sénon-Hochebene. Eine großflächige Abtragung der Oberfläche und eine sechsmonatige Ausgrabungskarnpagne haben Reste von etwa zehn Werkstätten und 18 außergewöhnlich gut erhaltene Rennofen (Abb. 9) Freigelegt.
Die Reduktion des Eisenerzes (Eisenoxyd und -hydroxyd) aus örtlichen Vorkommen war nachweislich der Hauptwirtschaftszweig an diesem Fundort und kann in drei Entwicklungsphasen zwischen dem 4. Jh. v. Chr. und dem 5. Jh. n. Chr. Heingeteilt werden. Jede dieser Phasen ist durch einen bestimmten Schachtofentyp gekennzeichnet. An die Reduktion anschließende Arbeitsschritte, wie das Ausschimie den der Luppen und die Herstellung von Gegenständen, fehlen weitestgehend; deswegen war eine genaue Aussage über Beschaffenheit und Qualität des erzeugten Eisens nicht möglich.
Der Beginn der Eisenverarbeitung wird an die Wende des 4. Jh. v. Chr. gestellt (Datierung mit 14C).Die schlechterhaltenen Strukturen der einzigen im Norden des Sektors (Abb. 10 : Zone 1, Teilbereich A) ans Licht gebrachten Werkstatt lassen keine detaillierten Rückschüsse auf die Merkmale dieser Produktion zu. Die drei freigelegten in den Boden eingelassenen Öfen zeichnen sich allerdings dadurch aus, daß sie keine Schlackenabflußvorrichtung haben; die Schlacke sammelte sich am Boden des Schachts entweder auf der Sohle (Abb. 59 : Typ 1.1) oder in einer dafür eingerichteten Vertiefung (Abb. 60 : Typ 1.2).
Für die zweite Phase, die in der Spät-La- Tène-Zeit beginnt und sich über die römische Eroberung bis ins 2. Jh. n. Chr. erstreckt, sind Rennöfen großen Ausmaßes charakteristisch, in denen fortgeschrittene Techniken wie der Schlackenabfluß und ein mehrfaches Belüftungssystem zur Anwendung kamen.
Die Eisenherstellung erlebte in dieser Zeit einen erheblichen Aufschwung und mindestens fünf neue Werkstätten werden entlang des Talweges erbaut (Abb. 9 : Eisenbetriebe 1, 2 und 3a).
Die insgesamt neun Schachtofen (Abb. 61 : Typ II) sind jeweils im Zweierverbund angeodnet. Sie sind im Knick am Fuß der Talhänge in das natürliche Substrat eingelassen und haben einen mächtigen Sandsteinkranz, der die Ofenwände aus einem Ton-/Sandgemisch stützt. Der Ofen besteht aus einem etwa 0,80 m hohen Schacht in Form eines stumpfen Kegels, dem ein trichterförmiger Schornstein aufgesetzt ist. Die dicken Ofenwände sind sehr häufig ausgebessert worden (Erneuerung der Außenverkleidung, Wiederaufbau). Von der runden oder ovalen Sohle (0,90 bis 1,20 m Durchmesser) geht ein Schlackenabflußkanal ab. Alle Öfen weisen ein dreifaches Belüftungssystem auf:
- zwei seitliche Öffnungen in etwa 0,20 m Höhe über der Sohle, die in die zwischen dem Sandsteinkranz und dem Ofen vorgesehenen Ausbuchtungen (Alkoven) münden;
- drei Öffnungen, die in einer Ebene in die Rückwand gebohrt sind;
- Belüftungsdüsen (Abb. 62) aus Tonblocken, durch die entweder ein einziger Luftkanal oder ein Hauptkanal der sich in zwei Verteilerkanäle gabelt (bifide Düse), gebohrt wurde.
ln der Spät-La-Tène-Zeit beziehungsweise zu Beginn der gallorömischen Zeit werden parallel zu den auf dem Höhepunkt ihres Einsatzes stehenden Öfen des Typs II zwei weitere ganz andersartige kleine Strukturen verwendet (Abb. 66 : Typ III). Diese im Norden der Zone 2 nebeneinander angeordneten Strukturen (Abb. 41 : Eisenbetrieb 4) sind unmittelbar auf dem Substrat errichtet. Ihre Wände bestehen aus einem hufeisenförmigen Steinkranz und sind innen mit einer Tonschicht ausgekleidet. Die eiförmigen Sohlen (0,80 m2) münden in einer flachen Schlackenauffanggrube. Aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes war es nicht möglich, das Windzufuhrsystem zu rekonstruieren.
Am Ende des 2. Jh. n. Chr. kommt es zu einer Unterbrechung der Eisenherstellung. Die durch einen neuen Schachtofentyp gekennzeichnete Wiederaufnahme der Produktion findet gleich zu Beginn des 3. Jh. n. Chr. statt (Abb. 41: Zone 2, Betrieb 3b). Zum Bau der neuen Strukturen, die auf den Schlackenhügeln der vorausgegangenen Phase errichtet wurden (Abb. 67: Typ IV), verwendet man Ziegel und Backsteine, die durch einen sandigen Mörtel verbunden werden. Die eiförmigen Schächte haben vertikale Wände während die ovalen Sohlen weniger als 0,30 m2,groß sind. Für die Windpressung dieser Öfen sorgt ein doppelter Windkanal : ein seitlicher Windkanal in Gestalt einer trichterförmigen Düse (Abb. 51), die in 0,50 m Hohe horizontal angebracht ist, sowie ein Windkanal an der Stirnseite in Gestalt einer halbzylindrischen Düse (Abb. 52), die schräg in eine Türhälfte eingebaut ist; vor dieser Vorrichtung befindet sich eine trapezförmige Konstruktion, wo wahrscheinlich der Blasbalg angebracht war (Abb. 67).
Die Erklärung für die Ansiedlung von Reduktionsanlagen in Les Clérimois scheint in den örtlichen Rohstoffvorkommen zu liegen. Wie die Versorgung mit Erzen ausgesehen hat, ist noch nicht ganz geklärt ; es wird angenommen daß die schwach . eisenhaltigen Oberflächenkonzentrationen genutzt worden sind, die entweder aufgelesen oder ausgegraben wurden. Gewinnung und Verarbeitung des Eisenerzes wurden während der zweiten Siedlungsphase zum Teil an der Fundstelle vorgenommen. Kohle aus Buchen- oder Eichenholz war während dieser Phase der einzige verwendete Brennstoff. In der Spätantike wurde die Verkohlung vor Ort vorgenommen. Die verwendeten Holzsorten waren weiterhin vornehmlich Eiche und in geringerem Maße Buche sowie auch Weidenholz.
Neben den Rennöfen zeugen auch chemisch analysierte Haldenreste von der Eisenerzreduktion : es galt, diese Abfälle als Bestandteil des direkten Produktionsprozesses auszuweisen und in Abhängigkeit der am Fundort festgestellten Reduktionstechniken Schwankungen in der Zusammensetzung dieser Rückstande herauszufinden. Es hat sich deutlich gezeigt, daß die beiden Haupttechniken weitestgehend homogen waren.
Aufgrund der in drei Betrieben angefallenen Rückstände war es desweiteren möglich, eine Schätzung der Eisenproduktion vorzunehmen. Die hochgerechneten Halden der Betriebe (etwa 7800 m3) lassen eine Ermittlung der Schlackenmenge zu : etwa 12000 t. lm Laufe der verschiedenen Tätigkeitsphasen sind somit fast 16000 t Erz zum Zweck der Herstellung von etwa 5000 t Eisen reduziert worden ; 4/5 davon wurden während der zweiten Siedlungsphase, d. h. in der Spät-La-Tène- Zeit und zu Beginn der gallorömischen Zeit hergestellt worden. Das läßt für diese drei Jahrhunderte auf eine kontinuierliche Tätigkeit schließen. Mit der seit der Spat- La-Tène-Zeit eingesetzten Technik war eine anhaltende Eisenproduktion durchaus möglich. Seit der römischen Eroberung nahm die Produktion aber noch drastisch zu. Die Frage einer eventuellen staatlichen Beteiligung oder Kontrolle (Polis oder römischer Staat) ist noch ungelöst. Ab dem 3. Jh. n. Chr. gehen Arbeitsorganisation und Produktion wieder auf einen weniger industriellen Maßstab zurück. Eine schwankende Eisennachfrage sowie eine Umstrukturierung der Wirtschaft sind möglicherweise dafür verantwortlich. Auf jeden Fall findet in der Spätantike ein bedeutender technischer Wandel statt, der von einem der vorangegangenen Tradition fremden Know-how zeugt und bereits den Entwicklungen des frühen Mittelalters vorzugreifen scheint.