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BOSTYN Françoise, LANCHON Yves
Jablines
Le Haut Château (Seine-et-Marne) : Une minière de silex au Néolithique
Zwischen August 1989 und August 1990 hat der Bau einer neuen Strecke des TGV Anlaß einer bedeutenden, archäologischen Rettungsgrabung erfordert. Es wurde im Bereich eines Feuersteinbergwerkes, im Ortsteil Il Le Haut Château » in Jablines (département Seine-et-Mame) gegraben. Diese Stelle war anläßlich einer begrenzten Grabung in 1981 bereits ais Grube identifiziert worden, und ihre Ausdehnung war teilweise durch Luftbild bekannt. Zum ersten Mal bot sich in Frankreich die Gelegenheit ein neolitisches Feuersteingrube eingehend zu untersuchen, was die Emeuerung der für solche Fundstätten angewandten Methodik und Grabungstechniken erforderte.
Die Abtragung der gesamten Fläche der Grabung (ungefähr 500 m lang und 70 m breit) hat es ermöglicht ihre Bedeutung vollständig zu erfassen : Die mechanische Abtragung hat mehr ais 1000 Strukturen, davon 766 Einstiege zu Abbaustrukturen, aufgedeckt. Ursprünglich sollten um die 100 Schächte, nach Lage und Oberflachenmorphologie unterschieden, ausgegraben werden. Jedoch in Anbetracht auftretender technischer Schwierigkeiten (unstabiler Boden) und Sicherheitsprobleme wurden nur 58 Schächte vollkommen untersucht. 10 Schächte wurden mit einer neuen, den Strukturen und gesetzten Fristen angepassenen Methode erforscht : Nach Ausgrabung des Eingangschachtes bis zum natürlichen Boden ist das gesamte Substrat mit dem Bagger bis zu den Stollen ausgehoben worden, die so, praktisch offenliegend, untersucht werden konnten. Der paleoumweltliche Zusammenhang ist durch geologische Analysen untersucht worden (ein langer Graben hat es ermöglicht, die Kalkmergelstruktur der verschiedenen Feuersteinschichten genau zu erkennen), sowie malakologische, pollenanalytische und anthrakologische (Studium der Holzkohlenreste aus der Auffüllung, aber auch verbrannten Holzes, das von dem Stützsystem herstammte) Analysen. Die Synthese dieser interdisziplinaren Studie ergibt das Bild einer lichten Bewaldung oder eines Waldrandes.
Die Studie der Abbaustrukturen hat eine wichtige morphologische veränderlichkeit aufgehoben. Es wurden einfache Abbaugruben, Strukturen mit mehreren Kammem (Abbau in ein, - oder zwei Richtungen) und glockenförmige Strukturen (Abbau in mehrere Richtungen unterschieden). Diese ersten Typen bilden Gruppen unterschiedlichen Umfangs, die aber immer räumlich auf den nördlichen Teil des Gebietes begrentz sind. Eine einzige Feuersteinschicht ist dort, zudem nicht sehr intensiv, abgebaut worden. Diese Strukturen, deren Durchmesser an der Oberfläche ziemlich klein ist (zwischen 1,2 und 2 m), sind 2 m tief.
In der südlichen Zone hingegen sind die Morphologie und die Organisation der Oberflächenstrukturen verschieden. Die Eingangsschächte sind 4 bis 7 m tief bei einem Durchmesser von 2,5 m oder mehr. Sie durchqueren eine erste Feuersteinschicht, die nur nebenbei oder gar nicht abgebaut wurde. Die untere Schicht hingegen wurde durch strahlenförmige angelegte Stollen abgebaut, die in den meisten Fällen untereinander, und mit den benachbarten Strukturen, durch kleine Öffnungen verbunden waren. Diese Strukturen durchzogen das Gebiet netzartig und regelmäßig. Die Flintausbeutung des Untergrundes war maximal. Die Untersuchung des Auffüllungsmaterails hat ergeben, daß die Stollen nicht alle gleichzeitig vorgetrieben wurden. Die Erde der jüngeren Stollen wurde benutzt, um die älteren zuzuschütten. Die Profile der Einstiegsschächten zeigen eine Abwechslung von menschlichen und natürlichen Aufschüttungen (diese sind durch das Einfallen der Ränder und der Überhänge verrursacht worden).
lm mittleren Teil der Abtragung waren die Abbaustrukturen in ihrem Randgebiet emeut angegraben worden. Die Wiederaufnahme des Abbaus weist entweder auf die Anwesenheit einer anderen Gruppe am Ort oder auf einer zeitweise unterbrochenen Abbau hin.
Die Erarbeitung eines dreidimensionalen Aufzeichnungssystems der Abbaustrukturen hat es nicht nur den Umfang und die Intensität des Feuersteinabbau zu veranschaulichen ermöglicht, sondem auch das Volumen einer jeden Struktur zu quantifizieren und seine Rentabilität abzuschätzen.
Die räumliche Analyse der Verteilung der Schächte und der Ausdehnung des unterirdischen Abbaunetzes zeigen eine unterschiedliche Organisation in der südlichen und der nordlichen Zonen auf. Sie weist wahrscheinlich auf zwei, unterschiedlich intensive, Abbausysteme des Feuerstein hin, die untersschiedliche Bedürfnisse widerspiegeln kônnten. Diese Dualität wird durch die Linienführung von Tiessenpolygonen perfekt beschrieben.
Das Ausheben der Strukturen und der Abbau der Feuersteinplatten erfolgte anhand spezifischen Werkzeuges aus Hirschgeweih. Die detaillierte Analyse der Benutzungsspuren hat es ermöglicht eine typenfunktionelle Zuordnung der Werkzeuge aus Hirschgeweih aufzustellen. Die Untersuchung der Druckspuren auf den Stollenwänden hat die Rekonstruktion der Abbaumethoden der Feuersteinplatten erlaubt und die mögliche Benützung von Holzwerkzeugen aufgezeigt. Keinerlei herkömmliches Abbaugerät aus Feuerstein hat identifiziert werden können. Abgesehen von den Geräten aus Hirschgeweih, wenigen Scherben- und Knochenresten, setzt sich das Fundmateriel fast ausschließlich aus Abfälle und unbrauchbaren Feuersteinfragmenten zusammen. Der Großteil des Rohmaterials ist am Ort bearbeitet worden, wovon mehrere Werkstätten und tausende von Feuersteinabschlägen, - und Splittemzeugen, die aus den Aufschüttungen der Schächte geborgen worden sind. Das Studium diesen Abfälle erfolgte durch diakritische Zeichnungen der angefertigten Produkte und durch Rekonstruktionen. Es ist so möglich gewesen, die vollständige Arbeitsablaufe ihrer Herstellung zu verstehen und die wichtigsten Stuffen hervorzuheben. Die Studie hat gezeigt, daß an diesem Ort eine umfangreiche Serienproduktion von zwei verschieden Beilgrößen existierte. Die größeren, und ein Teil der kleineren Beile waren wahrscheinlich ausgeführt. Es it anzunehmen, daß bestimmte Beile sowie allgemein gebräuchliche Werkzeuge (Schaber, Kratzer, u.s.w.), dem Abbau dienten (Herstellung und Pflege der Holz, - und Hirschgeweihwerkzeuge).
Eine Reihe von 17 zusammenhängende 14C Messungen erlaubt es, diesen Sektor des Bergwerkes in das mittlere Neolithikum Il, um 3000 V. Chr. (unberichtigte Datierung) zu datieren. Die Anwesenheit älterer Keramikscherben (aus der Cemykultur) in gestörten Schichten der Schachtaufschüttungen, läßt auf die Existenz einer älteren Abbauphase des Grubes aufer dem erforschten Gebiet schließen.
Dieses Bergwerk ist in der Gegend nicht isoliert, es ist Teil eines Bergwergkomplexes von 12 gleichartigen Stätten (die heute identifiziert sind), in denen wahrscheinlich verschiedene tertiäre Feuersteinschichte abgebaut wurden. Die Studie der Verbreitung der Produkte von Jablines, die innerhalb dieser Arbeit nicht vorgenommen werden konnte, muß notwendigerweise Teil einer umfangreicheren Studie werden, deren Thema die Identifikation der verschiedenen Schichten und ihrer Benutzung sein sollte.