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GIULIATO Gérard
Châteaux et maisons fortes en Lorraine centrale
(Prix du livre d'histoire régionale lorraine, Feuilles d'or 1992)
Diese archäologische und historische Studie erfaßt auf umfaßende Weise die befestigten, herrschaftlichen Wohnformen, das heißt die Schlösser und Burgen, die zwischen dem X. und dem XV. Jahrhundert im Herzen Lothringens existierten, und stellt diese wieder an ihren Platz in der Entwicklung der mittelalterlichen, aristokratischen Gesellschaft.
Die Untersuchung umfaßt 180, östlich von Nancy, zwischen dem Mosel - und dem Seilletal, gelegene Gemeinden (2100 km2). Diese Region bietet verschiedenartige, natürliche Bedingungen, die denen des gesamten Lothringens ähneln, das heißt, im Zentrum ein Hangrelief und im äußeren Bereich kleine, mergelige Tafelländer, getrennt durch nach Nord-Süd ausgerichtete Wasserläufe.
Die politische Geschichte dieser Region spiegelt ziemlich getreu, die der ganzen Provinz wieder. In der Mittel des X. Jahrhunderts wurden die Verwaltungsstrukturen der karolingischen Epoche, die "pagi des Scarponois, des Saulnois und des Chaumontois" durch Fürstentümer, wie die Grafschaft von Bar, das Herzogtum von Lothringen, die Bischofstümer von Metz und Verdun ersetzt, die bis Ende des XV. Jahrhunderts fortwahrend miteinander im Streit lagen.
Das Werk enthalt neunundsechzig vereinheitlichte Einzeldarstellungen, die dem Leser eine reiche Auswahl an datierten Texten, alten Planen, architektonischen Angaben und Fotographien bieten, die Verschiedenheit der Wohnformen und deren sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand darstellen . Die Geschichte dieser Bauten wird durch das Vorhandensein zahlreicher, herrschaftlicher Genealogien erleichtert.
Der Autor stellt 13 Schlösser vor, die in den Texten ais "castrum" oder "chastel" bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um fürstliche Bauten und Residenzen, die im XI. und XII. zuerst einem "advocatus" und dann "chatelain" genannten Bevollmächtigten anvertraut wurden. Die Verwaltung wird einem Vogt anvertraut, dessen richterliche und finanzielle Autorität sich über eine "Burgvogter" erstreckt, die 4 bis 50 Dörfer besitzen kann.
Die Form der Schlösser änderte sich. lm XI. und XII. Jahrhundert, setzt sich das Schloß mit Erdscholle und Hühnerhof in Amance, Mousson und Montreuil durch. Nach 1250 triomphiert das viereckige Schloß. Die beliebtesten Gegenden sing Zeugenberge, Plateauränder und dann die Talsohlen. Es entstehen Kapellen, Prioreien, Kommandanturen und Marktflecken in der Nahe der Schlösser, die auf diese Art und Weise die Betreuung der Bevölkerungen neu organisieren und sich bis zum XVII. Jahrhundert zu wahren Machtzentren entwickeln. Der Dreißigjährige Krieg, der in Lothringen ab 1635 wütet, ruft deren endgültige Zerstörung und Aufgabe hervor.
Die Burgen, 57 an der Zahl, weisen sehr verschiedene Merkmale auf. Nur 4 stammen aus der Zeit vor 1240, 34 entstanden zwischen 1240 und 1340 und 19 zwischen 1340 und 1490. Sie entsprechen genau der Epoche demographischer und wirtschaftlicher Ausdehnung der mittleren und kleinen Aristokratie, die sich mit Genehmigung der Prinzen auf dem Land niederläßt. Die herrschaftlichen Residenzen sind Nachahmungen von Schlössern im Kleinformat. Vor 1230 nehmen sie Kreisförmige Anordnungen an, die an die Erdschollen (Dombasle) oder die von einem Graben umgebenen Stadtmauern (Athienville) erinnern ; nach 1250 ahmen sie dann die viereckigen Schlösser nach, wobei sie sich manchmal auf einen einzigen Turm beschränken. Ihre militärische Aufgabe ist sehr beschrankt, außer für jene, die sich den Anforderungen der Artillerie im XV. Jahrhundert anpassen (Thézey, Port-sur-Seille, Damelevières). Jeder herrschaftliche Wohnsitz ist mit einem landwirtschaftlichen Gut oder "grange" verbunden. Diese wirtschaftliche Gegebenheit findet man in der Standortwahl der Burgen wieder : 62% liegen am Ufer eines Wasserlaufs, 95% befinden sich auf anbaufähigen Böden und 75% sind am Rande eines Dorfes gelegen. In diesem Teil Lothringens spielt die Burg keine Rolle bei der Kolonisierung und den Rodungen.